Immer wieder wird über die Treuhand (TH) geschrieben. Ich habe mich nie öffentlich dazu geäußert. Aber dieser Artikel von Helmut Schmidt kann nicht unkommentiert bleiben.

1. Laut Jahresabschluss der TH 1994 belief sich das Gesamtdefizit auf DM 256,4 Milliarden und nicht auf DM 400 Milliarden, wie Helmut Schmidt ausführt. Wohlgemerkt D-Mark und nicht Euro. Der Artikel lässt das offen. In diesem Betrag sind noch bis zu DM 100 Milliarden Altschulden enthalten.

2. Helmut Schmidt hält die Arbeitsmethoden der TH-Anstalt für falsch. Ich bedauere zwar mit ihm, dass es den Bürgern der DDR finanziell unmöglich war, einen volkseigenen Betrieb zu übernehmen. Weil das so war, haben wir so weit wie möglich Lösungen gesucht und gefunden. Das fängt beim Handel an, wo über besondere Ausschreibungen überwiegend Ostdeutsche zum Zuge gekommen sind, und hört bei den Management-Buy-Outs auf, die wir für die Ostdeutschen entwickelt haben. Die Alternative wäre ein jahrzehntelanges Warten gewesen, bis Bürger der damaligen DDR sich finanziell hätten beteiligen können.

3. Helmut Schmidt hält auch das Tempo unserer Arbeit für falsch. Natürlich hätten wir uns gern - wie ein ordentlicher Kaufmann - Zeit genommen, um in Ruhe Konzepte zu entwickeln, diese zu testen und danach umzusetzen. Aber die Zeit gab es nicht. Wir mussten von der ersten Stunde an Entscheidungen treffen. Unsere Leitlinie war, so schnell wie möglich für unsere Firmen neue Eigentümer zu finden. Damit wollten wir für unsere Firmen etwas einkaufen, was sie selbst nicht hatten, aber zum Überleben dringend benötigen: Kapital, Management-Know-how, wettbewerbsfähige Produkte, Vertriebswege und neue Märkte. Darum haben wir zügig privatisiert. Dass uns dabei einzelne Fehler unterlaufen sind, ist bitter, ändert aber nichts am Prinzip.

Den sonstigen Überlegungen von Helmut Schmidt stimme ich im Wesentlichen zu.

Seine Vorschläge sollten in einer gemeinsamen nationalen Anstrengung angegangen werden.

BIRGIT BREUEL, HAMBURG. PRÄSIDENTIN DER TREUHANDANSTALT VON 1991 BIS 1994