Er schloss sich den liberalen Spaniern an, die sich gegen ihren König erhoben und ihm eine Verfassung abtrotzten.

Dagegen aber waren die Franzosen. Er und andere "Brandstifter" wurden inhaftiert, und so konnte er die Geburt seiner zweiten Tochter nicht miterleben.

Die Tochter war ein Vaterkind. Nicht nur das rötliche Haar und die blauen Augen hatte sie von ihm geerbt, auch das Temperament. Er behandelte sie wie einen Jungen als Kameraden. Er setzte sie vor sich auf den Sattel und ritt mit ihr aus. Statt Märchen erzählte er ihr von Napoleon.

Die Mutter hingegen war darauf bedacht, ihren Töchtern eine gute Erziehung zu geben und sie standesgemäß zu verheiraten. Sie war die Tochter eines Engländers und einer belgischen Baronin. Nachdem die Versuche, die Töchter bei frommen Schwestern zu erziehen, misslungen waren, wurden die jungen Damen von dem Hausfreund Mérimée unterrichtet. Außerdem erzählte ihnen ein gewisser Monsieur Beyle, der am Hof Napoleons beschäftigt war, alles, was damals im Kaiserreich geschah. Später gestand sie: "Monsieur Beyle war der erste Mann, der mein Herz zum Klopfen brachte."

Nach dem Tod des Vaters, sie war 13, fühlte sie sich der Mutter ausgeliefert. Ihre treueste Freundin blieb ihre Schwester. Langsam entwickelte sie sich zu einer schönen jungen Dame. Das tizianrote Haar, das üppig auf ihre Schultern fiel, die blauen Augen, ihre Haltung und ihr anmutiger Gang wurden bewundert.

Als sie sich in einen jungen Mann verliebte, verstand es die Mutter, ihn für die ältere Schwester zu gewinnen. Diese Demütigung verzieh sie der Mutter nicht, doch das Verhältnis zur Schwester wurde durch deren Heirat nicht getrübt. Die Mutter aber verstand es geschickt, ihre Jüngste mit einem Herrn bekannt zu machen, der es gewohnt war, seinen Willen durchzusetzen. Es kam zur Verlobung.

Ihr gefiel dieser Mann nicht besonders. Er sah nicht gut aus, und er war weit älter als sie. Trotzdem reizte sie die hohe Stellung, die sie in Zukunft haben würde. Die Hochzeitsnacht war ihr zuwider und enttäuschte ihn maßlos. Als endlich der ersehnte Sohn, dessen Geburt sie beinahe ihr Leben gekostet hätte, da war, wollte sie für ihn ein Kaiserreich. Sie beschäftigte sich mit der Politik und verabscheute den Krieg. Die Emanzipation der Frauen lag ihr am Herzen. Ihr Gemahl wollte die Macht des alten Kaiserreiches wiederherstellen und ausbauen. Er zog gegen Russland in den Krieg. In Italien kämpften seine Truppen gegen Österreich. Aber als er Bismarck, der Frankreich provoziert hatte, zuvorkam und gegen Preußen marschierte, gab es ein Desaster – die Truppen waren schlecht ausgerüstet, es gab keinen Kriegsplan –, an dessen Ende er gefangen genommen wurde und Frankreich die größte Schande erlebte.