Düsseldorf

Der Mann ist irgendwie cool, wie man neudeutsch sagen würde, zu einem Scherz auch dann bereit, wenn anderen das Lachen vergangen ist, kein Schönwetterkumpel für jedermann, aber allemal ein Kerl für schlechte Zeiten, der nicht in Deckung geht, wenn’s heftig weht und allen die Nerven flattern. Das Debakel der SPD im kleinen Saarland hat Peer Steinbrück, 57, gelernter Volkswirt und Sozialwissenschaftler, Ministerpräsident im großen Nordrhein-Westfalen, schnell weggesteckt. Hat er kommen sehen, sagt er, und Jammern hilft eh nicht.

Mehr bewegt ihn die Angst der Deutschen vor Veränderung. Im berüchtigten ARD-Event bei Frau Christiansen beschrieb Steinbrück am Sonntagabend das deutsche Klammern an den vertrauten Strukturen des traditionellen Sozialstaats mit dem ironischen Bild: "Es kommt mir so vor, als ob wir alle zusammensitzen auf einem Sofa, das wir gerne mögen, aber langsam bohrt sich da die Sprungfeder durch dieses Sofa durch…" Nicht jeder mochte da lachen, aber verstanden haben’s wohl alle.

Dieser Peer Steinbrück ist auch bald dran auf der Hartz-Rolle der SPD: Ende September, eine Woche nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg, finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt. Und übers Jahr, am 22. Mai, wird in NRW der Landtag gewählt. Keine Wahl wie jede andere: Kommt die CDU oder "das bürgerliche Lager", wie Angela Merkel neuerdings etwas gebetsmühlenartig sagt, in NRW an die Regierung, dann verfügt eben dieses "Lager" über eine Zweidrittelmehrheit im Bundesrat.

"15 Polizisten um sechs Uhr morgens – das vergisst du nie"

Damit ließe sich das Land endgültig lahm legen, sofern die Union, Partner im Hartz-IV-Projekt, sich das traut – was wiederum auch nicht so wahrscheinlich ist. Und deshalb werden die Sozialdemokraten, darüber haben Steinbrück, Schröder und Müntefering sich verständigt, keine "Schicksalswahl" daraus machen.

Ohnehin ist es nicht so, dass die bevorstehende Wahlsaison Peer Steinbrück den Schlaf raubt. Denn abgesehen davon, dass er nicht der nervöse Typ ist, ist er außerdem nicht ganz allein. Wie weit das eine Hilfe ist, ist noch offen. Jedenfalls hat die SPD in Nordrhein-Westfalen neben dem Ministerpräsidenten auch einen Landesvorsitzenden, Harald Schartau, 51, der zumindest im Fall eines Debakels seinen Anteil zu tragen hätte.

Schartau ist Gewerkschafter, und seine Biografie enthält ein kurzes Kapitel als Hoffnungsträger der Partei. Da der Landesverband der SPD sich erst in diesem Jahrtausend konstituiert hat, ist Schartau sein erster Vorsitzender, im Dezember 2001 mit eindrucksvollen 97,2 Prozent dazu gewählt. Zuvor war er von Wolfgang Clement in die Landesregierung geholt worden. Nach dessen Wechsel in die Bundesregierung wäre er nach herrschender Lehre der geborene Nachfolger gewesen, indes verbot dies die Landesverfassung, da in Düsseldorf Ministerpräsident nur werden darf, wer auch ein Landtagsmandat hat. So rückte Steinbrück auf, von dem die Eingeweihten sagen, er hätte sich als Alpha-Typ, der er ist, nach Clements Abgang wohl auch keinem anderen mehr untergeordnet.