Ich habe nur eine Bitte. Lasst es nicht an der ZEIT aus. Die können nichts dafür. Sie haben irgendwann zu mir gesagt: "Schreib auf, was du als Verbraucher in Deutschland erlebst. Eine Zensur findet nicht statt. Wir halten uns aus allem raus." Es ist eine rein persönliche Sache, versteht ihr? Zwischen euch, den deutschen Handwerkern, und mir, einem Mann, der mit Handwerkszeug nicht umgehen kann.

Zuletzt war wieder der Mercedes kaputt. Die Werkstatt bestellte ein Ersatzteil, so ein hydraulisches Pleuellager mit Schwertern und Brillanten, was weiß ich. Nach drei Tagen kam das Teil. Es war das falsche. Gleichzeitig war die Brille des Kindes beim Optiker. Es ist jetzt in einem Alter, in dem es auf Äußerlichkeiten Wert legt. Statt der Teeniebrille musste es wieder die alte Kinderbrille tragen. Es litt wie ein Tier. Die neuen Brillenbügel kamen. Sie hatten zwei verschiedene Farben, einer lindgrün, der andere rosa.

Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, dann sind, bei allen Reparaturen, in 30 Prozent der Fälle falsche Ersatzteile gekommen. Es ist mir ein Rätsel, wie man sich in der Illusion wiegen kann, dieses Land könne mit seinem Personal gefahrlos Kernkraftwerke betreiben, wo seine Handwerker nicht einmal ein Pleuellager mit Schwertern und Brillanten erkennen oder den Unterschied zwischen Lindgrün und Rosa. Auch Journalisten machen Fehler. Aber wenn ich in jeder dritten Woche der Redaktion statt einer Kolumne ein Glas mit selbst gemachter Marmelade schicken würde oder ein zehnseitiges Essay über die Gefahren des Klonens, dann würden sie zu zweit in die Wohnung kommen, sie würden sagen, ich solle mich setzen, und nach ein paar Minuten würden sie vorsichtig das Wort "Ruhestand" in den Mund nehmen.

Ich muss noch mal auf das Boot zu sprechen kommen. Wir hatten einen Handwerker, der das Bootsdach reparieren sollte, dabei hat er versehentlich die Windschutzscheibe kaputtgemacht. Ich stelle mir vor, ich würde eine Kolumne verfassen und dabei versehentlich in den Leitartikel lauter Gagawörter hineinschreiben, bis er kaputt ist. Damit käme ich nicht durch. Ein Handwerker kommt damit durch. Das neue Fenster sollte der Handwerker befestigen. Er sagte, okay, aber Sie besorgen bei Niemayer die Befestigungen. Ich fuhr hin. Bei Niemayer führen sie gar keine Bootsfensterbefestigungen. Ich rief den Handwerker wieder an. Er sagte, ohne Befestigungen mache er nichts. Ich solle mich an den Glaser wenden, der die Scheibe gebaut hat. Der Glaser sagte, gut, am Samstag. Am Samstag regnete es. Ich stand im Regen am Steg und wartete. Drei Stunden lang. Das Handy des Glasers war ausgeschaltet. Am Montag erreichte ich ihn. Er sagte, er habe sich nicht gut gefühlt. Ich antwortete: "Das kann ich nachvollziehen. Auch ich habe mich, bei Regen am Bootssteg, nicht gut gefühlt."

Nicht alle Handwerker sind so. Aber viele. Diese Handwerker üben in unserer Gesellschaft eine Schreckensherrschaft aus. Die Menschen haben Angst. Sie denken, wenn sie die Wahrheit aussprechen, wird nie wieder jemand bei ihnen was reparieren. In der Redaktion sagten sie: "Schreib ausdrücklich hinein, die Handwerker sollen ihre Wut nicht an der ZEIT auslassen."

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