Aufregung in Rüsselsheim und Trollhättan. Betriebsräte, Gewerkschaften und Politiker legen sich lauthals für ihre Standorte ins Zeug. Was ist passiert? Der weltgrößte Autohersteller General Motors (GM) will die künftigen Mittelklassemodelle seiner Töchter Opel (Vectra) und Saab (9-3) nur noch an einem Ort vom Band laufen lassen. Bislang produzieren beide Marken die Fahrzeuge in ihren Stammwerken, Opel in Rüsselsheim und Saab in Trollhättan. Die Standortentscheidung steht schon im Frühjahr nächsten Jahres an, auch wenn die neuen Modelle erst 2008 vom Band rollen: Jeweils rund 6000 Arbeitsplätze sind bedroht.

Rein betriebswirtschaftlich gesehen, erscheint es absolut sinnvoll, die Produktion der Mittelklassewagen in einem Werk zusammenzulegen. Beide Fabriken sind nur gut zur Hälfte ausgelastet - auch das ist ein Grund, weshalb General Motors in Europa nicht aus den roten Zahlen kommt. Zu Recht wollen die GM-Strategen in Detroit das nicht länger mit ansehen.

Schuld an der flauen Nachfrage sind aber nicht die Arbeiter in Hessen oder Mittelschweden, sondern zuallererst das von GM gelenkte Management. Der jetzige Vectra ist zwar technisch Top, sein Design aber allzu bieder. Bei Saab wiederum hat man versäumt, rechtzeitig die Modellpalette auszubauen.

Dass es in der umkämpften Mittelklasse besser geht, zeigen BMW, Audi, Mercedes und Volvo.

Fest steht, dass alle künftigen Mittelklassemodelle in Rüsselsheim entwickelt werden. Das spricht für die Produktion dieser Fahrzeuge im Opel-Stammwerk, ebenso wie die hohen Investitionen in das derzeit modernste unter den GM-Werken in Europa. Gegen Rüsselsheim sprechen die niedrigeren Lohnkosten in Schweden und der teure Euro. Dieser bringt Opel gegen die mit Verve auf den europäischen Markt drängenden Japaner und Koreaner ins Hintertreffen.

Dass die GM-Chefs gerade in diesen Tagen eine Drohkulisse aufbauen, hat einen Grund: Der Opel-Betriebsrat verhandelt mit dem Management über einen neuen Standortvertrag. Das Ziel der Manager heißt Runter mit den Personalkosten - so wie zuvor schon bei Mercedes und demnächst bei VW. Firmenübergreifend wird damit das Ausspielen der Konzernstandorte gegeneinander zur Regel: Bremen gegen Sindelfingen, Wolfsburg gegen Bratislava, Rüsselsheim gegen Trollhättan. Schon jetzt sind drei von zehn Autofabriken weltweit überflüssig. Wer die Wünsche der Autokäufer nicht zielgenau trifft, muss seine Kapazitäten runterfahren.

So wird der Abwehrkampf für Gewerkschaften und Betriebsräte zur Regel. Wenn die Autokonjunktur nicht dramatisch anspringt, können sie nur hoffen, dass die Modellstrategen ihres Vorstands den Geschmack der Autokäufer besser treffen als die Manager der Konkurrenz.