Die Moskauer Tageszeitung Iswestija druckte am vergangenen Samstag 15 halb- und ganzseitige Schwarzweißfotos der Überlebenden und Toten von Beslan ab. Für dieses Übermaß an Emotionen musste Chefredakteur Rafik Schakirow gehen. Bisher blieben die Zeitungen meist von Zensur verschont. Doch die kritische Berichterstattung könnte nun auch sie ins Visier des Kreml bringen.

Fernsehjournalisten kennen bereits seit der Geiselnahme im Musicaltheater Nord-Ost die von oben verordneten Tabus. Damals hatte Präsident Putin den Sender NTW kritisiert, dessen Generaldirektor prompt seinen Posten verlor. In Beslan vermieden es die Reporter, militärische Aktionen zu kommentieren oder weinende Angehörige zu zeigen. Sie gaben nur offizielle Geiselzahlen wieder, auch wenn diese erkennbar falsch waren. NTW sendete immerhin längere Zeit live. Doch als ein Reporter die Befreiungsaktion ein völliges Chaos nannte, wurde die Übertragung unterbrochen.