Als Mutter eines mittlerweile 18jährigen Asperger-Autisten kann ich die Bürokratie, die Arroganz und die Verständnislosigkeit so genannter Fachleute nur bestätigen. Nach massiven Verhaltensauffälligkeiten unseres Sohnes im Kindergarten hat es mehr als drei Jahre gedauert, die richtige Diagnose zu finden.

Sechs Monate Aufenthalt in einer Kinderpsychiatrie brachte die Diagnose: hyperaktiv. Daran war ich schuld als arbeitende Mutter. Der nächste Spezialist verdächtigte uns Eltern des Missbrauchs und der Misshandlung - ein anderer empfahl dringend eine Ehetherapie - der nächste meinte, wir sollten mit unserem Sohn öfter mal über einen Graben springen, statt ihm vorzulesen.

Schließlich machte einer unsere Körpergrößen (2,00 und 1,76 Meter) für das Verhalten unseres Sohnes verantwortlich. Einwände unsererseits wurden stets unter dem Hinweis fachlicher Kompetenz abgelehnt oder ignoriert.

Einziger Lichtblick war unsere Kinderärztin, die nicht aufgab und schließlich einen Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie fand, der die korrekte Diagnose stellte.

Die Beschulung erwies sich trotz normaler Intelligenz als äußerst schwierig.

Jeder Asperger-Autist hat individuelle Stärken und vor allem Schwierigkeiten, also einen ganz speziellen Förderbedarf, dem die Regelschule in Deutschland nicht gerecht werden kann. Ideal wäre, wie in Großbritannien, eine 1 : 1-Beschulung oder zumindest eine qualifizierte, persönliche Assistenzkraft in der Klasse. Beides wurde von der Schulbehörde abgelehnt.

Erst durch das Engagement einer Sonderschullehrerin konnte unser Sohn endlich seiner Intelligenz entsprechend beschult werden.