Damit sich trockene Blätter oder Gräser entzünden, braucht man eine Temperatur von weit über 200 Grad. Mit einer Lupe oder auch einer Glaskugel kann man das Sonnenlicht tatsächlich so stark bündeln, dass eine Flamme entsteht. Aber mit der Glasscherbe einer Flasche?

Schon 1933 wurde die Frage systematisch untersucht. Das Ergebnis, veröffentlicht im Forstwissenschaftlichen Centralblatt: Am ehesten hat der Flaschenboden die erforderliche bikonvexe Form. Mit den untersuchten Bierflaschenböden gelang es allerdings nicht, eine Temperatur zu erzeugen, die höher war als in der Umgebung. Aber das Glas von Bierflaschen ist ja auch getönt …

Für die ZEIT führte daher Klaus-Peter Wittich von der Braunschweiger Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes noch einmal eine Versuchsreihe durch. Er konnte selbst unter optimalen Bedingungen in dem Lichtfleck, den ein Flaschenboden aus klarem Glas erzeugt, keine Temperatur von über 80 Grad messen. Selbst wenn man von hochsommerlichen Temperaturen und Sonnenständen ausgeht, ist es nach menschlichem Ermessen unmöglich, mit einer Flaschenscherbe ein Feuer zu entzünden.

Dieser "Brennglaseffekt" gehört also wohl ins Reich der Mythen. Was natürlich nicht heißt, dass man nun seine leeren Flaschen einfach im Wald liegen lassen sollte. Christoph Drösser

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