Die Zutaten sind überall erhältlich: ein Laptop oder ein Internet-fähiger PC und eine Funk-Netzwerkkarte, die es für rund 40 Euro in jedem Computerladen gibt. Die Karte in den PC gesteckt, die Software von der CD installiert, und schon macht es – mit etwas Glück – pling.

"Sie sind online", ist auf dem Monitor zu lesen, und dies sogar mit DSL-Geschwindigkeit, die sich viele Internet-Surfer jeden Monat viel Geld kosten lassen. Der Trick der ganzen Sache sind die vielen ungeschützten drahtlosen Computerfunknetze (WLANs) gerade in Großstädten, in die sich jeder, der einen Computer auch nur ungefähr zu bedienen weiß, einklinken kann. Die Mauern der Häuser, aus denen die Server dieser Funknetze senden, sind dabei kein Hindernis. Wie Handywellen bahnen sich auch die Strahlen der Computerfunknetze ihren Weg; jedenfalls mehrere Dutzend Meter weit. Am besten lässt sich dies mit einem Laptop, den man die Straße entlangträgt, nachvollziehen.

Warum die Chance nicht nutzen? Ein Internet-Freak aus Berlin, der anonym bleiben möchte, will seine Nachbarn an der Freude des drahtlosen Internet-Zugangs teilhaben lassen – ohne 100 Euro einmalige Einrichtungskosten, wie sie die Telekom verlangt. Nur für seine 50 Euro Flatrate-Gebühr pro Monat verlangt er eine Kostenbeteiligung von 15 Euro monatlich.

Wenn dieses Geschäftsmodell in den Medien publik würde, so der WLAN-Vermittler, hätte der billige Surfspaß bald ein Ende. Genau wie bei den Musiktauschbörsen im Internet, die ja nach und nach ebenfalls dran glauben mussten. Wie viele von den potenziell rund 250 Mitsurfern, die in der Kreuzberger Nachbarschaft des WLAN-Betreibers wohnen, sich auf seine Handzettel hin gemeldet haben, möchte er nicht verraten.

Dabei sind seine Befürchtungen, eine illegale Geschäftslücke aufgetan zu haben, grundlos: "Wer in seinen Privaträumen ein Computerfunknetz betreibt und Nachbarn den Zugang gestattet, tut nichts Ungesetzliches", sagt Walter Genz von der T-Com, der Festnetzsparte der Deutschen Telekom. Genz rät lediglich – schon aus Eigeninteresse – Dritten den Zugang in den eigenen PC zu verwehren und dies entsprechend abzusichern. Außerdem wären schriftliche Vereinbarungen zur Mitnutzung der Flatrate und dem Einbau aktueller Firewalls und Virenschutzprogramme ratsam. "Man sollte schauen, ob der Vertrag der Flatrate den Einbau eines Routers zulässt", sagt Manfred Breul, Bereichsleiter Telekommunikation beim Branchenverband Bitkom. Genau genommen wird der WLAN-Vermieter nämlich zum Telekommunikationsdienste-Anbieter, was unter anderem die Auskunftspflicht bei gesetzlichen Verstößen, zum Beispiel bei Weitergabe gesetzeswidriger Mails, zur Folge hat.

Neben öffentlich betriebenen Hot Spots – allein in Berlin sind es zurzeit schon mehr als 300 – gibt es bereits eine erkleckliche Anzahl privater Funknetzbetreiber, die nichts dagegen haben, wenn sich Surfer aus dem Haus oder angrenzenden Häusern bei ihnen einklinken. Oft betreiben Netzwerktechniker oder IT-Fachleute die "heißen Ecken" mit Namen wie "Vossi’s Point" oder "Tsunami".