Kompliziert? Schon. Aber dafür gehen wir ja auch ins Frankfurter Museum, wo die Künstlerin Sturtevant den Künstler Duchamp weiterdenkt, und sehen ihr bei ihrer Selbstaufladung mit auratischer Leihenergie zu. Es gibt eine erhabene Stelle in der Ausstellung, an der unmittelbar anschaulich wird, wie sehr man den konzeptuellen Antrieb verkennen würde, wenn man die Bilder (und Videos) auf den Schockeffekt der geborgten, angeeigneten Ideen reduzieren würde: Sturtevant als Joseph Beuys - im klassischen Habit mit Hut und Weste.

Wunderbar, wie sie den entschlossenen Sturmschritt, die weltändernde Pose des heiligen Jupp auf seinem berühmten Foto La rivoluzione siamo noi einstudiert.

Kopie? Reproduktion? Auch hier wie bei allen Arbeiten sind die behutsamen Differenzen zum Original vielleicht nicht gleich auffällig, aber durchaus erkennbar. Nein, da wird nichts reproduziert, da wird allenfalls wiederholt, da wird anverwandelt, nachempfunden, da werden Rollen geprobt: Wie ist das als Elaine Beuys, als Josephine Sturtevant?

Ein Foto wie eine Einstiegsdroge, die all die subtilen Wirkstoffe des Werks enthält: Das Staunen über die unversiegbare Kraft der Emphase, die Künstler-Behauptungen, -Überzeugungen und -Auftritte immer wieder über die Gesetze der Nachprüfbarkeit triumphieren lässt, und den leisen Spott, die Enttarnung maskuliner Größen-Ichs. Schließlich weiß die Sandkastennachbarin ganz genau, dass es viel, viel böser ist, die schöne Burg mit allen Höhlen und bröselnden Zinnen kornecht nachzubauen, als sie einfach platt zu drücken.

Bis zum 30. Januar 2005 - der Katalog bei Hatje Cantz erscheint in zwei Bänden für 49,80 Euro - weiteres unter: www.mmk-frankfurt.de