Berlin

Angela Merkel ist zu misstrauisch, um sich von ihren Erfolgen davontragen zu lassen. Aber so erfolgsverwöhnt, wie sie in der ersten Hälfte dieser Legislaturperiode war, dürfte sie sich in schwachen Momenten schon wie die unumstrittene Führungsfigur ihrer Partei gefühlt haben - vielleicht sogar der gesamten Union. Dafür gibt es nun keinen Anlass mehr. Seit Wochen ist die CDU-Vorsitzende in einen erbitterten Machtkampf mit dem CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber verstrickt. Es geht um unterschiedliche Konzepte zur Gesundheitsreform, im Kern aber um die Führungsfrage in der Union. Als wäre das nicht schon genug, erntet Angela Merkel mit ihrem Reformkurs auch an der Basis der eigenen Partei Kritik und Unverständnis. Vielleicht kam ihr deshalb die Idee einer Unterschriftenkampagne gegen den Beitritt der Türkei gerade recht, um ein wenig populistische Entlastung zu schaffen. Es hat ihre Lage nicht erleichtert. Den öffentlichen Unmut wird sie wegstecken. Doch dass sich auch manch einer aus Merkels Umfeld von der Idee distanziert, lässt die CDU noch orientierungsloser dastehen. Ein wenig erinnert die Szenerie an Merkels erste Gehversuche als CDU-Chefin, als sie allenthalben am Abgrund balancierte. Die Zeiten schienen lange vorbei.

Nun also wieder Chaos an der Spitze der CDU.

Da fehlte eigentlich nur noch Angela Merkels Intimfeind Friedrich Merz, der die Führungskrise vervollständigte: Der ausgewiesene Finanzexperte kündigte überraschend an, er werde sich aus der Führung von Partei und Fraktion zurückziehen. Ohnehin war er dort nicht mehr recht froh geworden, seit ihn Angela Merkel im Herbst 2002 als Fraktionschef entmachtet hatte. Mit Merz verliert die Vorsitzende nicht nur einen unberechenbaren Widersacher, sondern auch eine Schlüsselfigur auf dem Feld der Reformpolitik. Inhaltlich ist Merz derzeit nicht zu ersetzen. Und auch das Versprechen, er wolle die Vorsitzende nach Kräften unterstützen, klingt aus seinem Munde wie Hohn. Seit Monaten hatten die beiden nicht mehr miteinander gesprochen. Nun wirft Merz' angekündigter Abgang erneut ein Schlaglicht auf Merkels einsame Führung.

Verlässliche Freunde aus dem Kreise der Mächtigen ihrer Partei hat sie nicht.

Das verschärft die Krise um die Vorsitzende. Von einem kommunikativen Desaster spricht einer ihrer Anhänger. Eine milde Sicht der Dinge. Schnelle Klärung ist nicht in Sicht.

Ausgerechnet jetzt brauchte sie ihren Intimfeind Friedrich Merz