Rocco Buttiglione berief sich auf Kant und sprach doch wie der Papst. Zwischen Recht und Moral gebe es einen Unterschied, dozierte der designierte EU-Kommissar für Justiz und Berater des Vatikans vor dem Europaparlament. Und darum sei er so frei, Homosexualität für eine Sünde zu halten und dennoch die europäische Grundrechte-Charta zu respektieren. Die weltliche Strafe folgte auf dem Fuße, die Abgeordneten vom Ausschuss für bürgerliche Freiheiten verweigerten dem Italiener die Approbation (ohne Folgen, denn nur der Kommissionschef kann ihm kündigen).

Ein Nord-Süd-Konflikt, kamen die Gewissensfragen doch von einer holländischen Grünen und einem britischen Labour-Mann. Abgeblitzt, weil da linke Dunkelmänner die Strippen ziehen, schwört darum Buttigliones bisheriger Boss Silvio Berlusconi. Darf, wer wie Buttiglione denkt und redet, im ansonsten meinungsfreudigen Brüssel also nicht Kommissar werden? Er darf und soll sogar: Diese Union ist eine Gesellschaft der Toleranz und Differenz. Toleranz kann der katholisch konservative Kommissar bald beweisen. Denn in Brüssel sitzt ihm die personifizierte Sünde als geschätzter Kollege gegenüber: Der britische Kommissar Peter Mandelson macht nämlich aus seiner Homosexualität überhaupt kein Geheimnis.
Joachim Fritz-Vannahme