Großer Nachteil bei Wikipedia: Der Benutzer blickt meist auf Textwüsten. Auf andere Medienbeigaben muss er ganz verzichten. Außerdem findet er nicht sofort Unterstützung bei komplexen Suchanfragen; selbst Stichwort- und Volltextsuche muss er getrennt starten. Und schließlich muss er online sein – es sei denn, er besorgt sich eine Momentaufnahme des Artikelbestands zum Download oder auf Silberscheibe. So verkauft in wenigen Tagen der Berliner Verlag Directmedia erstmals die (halbjährlich aktualisierte) deutsche Wikipedia auf CD-ROM für drei Euro im Buchhandel.

Nur im naturwissenschaftlichen Bereich muss die Wikipedia ihre Spitzenposition teilen: mit dem Brockhaus »multimedial premium«, dem einst der gedruckte Brockhaus in 15 Bänden zugrunde lag. Mittlerweile bietet er Extras wie Englischwörterbuch, interaktiven Atlas und diverse Begleitmedien, vom Tagesschau- Film über die Tschernobyl-Explosion bis zum interaktiven Bamberg-Panorama.

In fast allen geprüften Wissensbereichen zeigte sich der Brockhaus in der Spitzengruppe, lediglich Sport und Geschichte können andere besser. Für Verwirrung sorgt dieses Jahr allerdings, dass viele Artikel mehrfach vorkommen und sich dabei oft ähneln. Brockhaus nahm in den letzten Jahren verschiedene Speziallexika in den Artikelbestand auf und überlässt die Integration bisweilen dem Leser.

Erstmals läuft der Brockhaus nun auch unter Linux und Mac OS X und ermöglicht auf allen Plattformen eine konkurrenzlos flexible Recherche: Suchbegriffe lassen sich etwa mit »und«, »oder«, »nicht« und »nahe bei« verknüpfen; die »Schreibungstoleranz« sucht auf Wunsch auch nach bloß ähnlichen Wörtern. Selbst wenn Artikel nicht direkt aufeinander verweisen, kann ein mit computerlinguistischen Methoden erzeugtes »Wissensnetz« einen Bezug herstellen und (manchmal originelle) Vorschläge zum Weiterlesen präsentieren.

Die Textbasis des nur halb so teuren Standard-Brockhaus schnitt im Test fast genauso gut ab wie die der Premium-Version. Wer noch mehr sparen muss, kann den Inhalt des 149 Euro teuren 26-bändigen Großen Taschenlexikons von Meyer plus Begleitmedien für ganze 16 Euro auf den Computer bringen: Meyer – Das multimediale Lexikon 2004 heißt das ebenfalls aus der Brockhaus-Redaktion stammende, allerdings dieses Jahr nicht aktualisierte Produkt. Einziger Text-Unterschied zum Standard-Brockhaus: Schätzungsweise jeder zehnte Artikel musste deutliche Kürzungen hinnehmen.

Microsofts Encarta Professional liefert sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Brockhaus , in der Qualität wie in den Marktanteilen. Auch unser Wissenstest zeigt, dass die Rivalen fast ebenbürtig sind. Lediglich in den Bereichen Politik, Literatur und Mythen hat die Encarta einen deutlichen Vorsprung vor allen anderen Titeln. Sowohl Multimedia-Ausstattung (mit dem besten elektronischen Atlas überhaupt) als auch Bedienungskomfort lassen kaum Wünsche offen. Wer auf ein Drittel der Artikel verzichten kann, zahlt sogar nur 30 Euro für die Standardausgabe.