Keine Werbekampagne, keine Prachtausgabe, kein Sticker, der das Vermächtnis des großen, früh verstorbenen amerikanischen Singer/Songwriters ankündigt. Bloß der Autorenname in krakeliger Handschrift und ein braunstichig-düsteres Bild des Künstlers auf ein paar Steinstufen. Der routinierte Umgang mit From A Basement On The Hill (Domino/Rough Trade), Elliott Smiths nachgelassenem, aber fast vollständig noch selbst eingespieltem sechsten Album passt zu einem Musiker, der einmal bekannte, seine Vorstellung von der Hölle sei ein Nobelrestaurant voll von Gewinnertypen. Der vor einem Jahr im Alter von 34 Jahren seinem Leben spektakulär mit einem Messerstich in die Brust ein Ende setzte, ohne dass mehr als ein paar Freunde und Fans davon Notiz genommen hätten.

Kein großer Rock-'n'-Roll-Toter also, auch kein zweiter Kurt Cobain, selbst wenn es neben der brutalen Todesart noch weitere Parallelen geben sollte.

Smith hatte große Probleme mit Drogen, und: Er fand sich genauso plötzlich und zufällig im Licht des Pop-Mainstreams wieder, als 1998 einer seiner Songs für Gus van Sants Film Good Will Hunting den Oscar für den Best Original Song gewann. Eingezwängt zwischen Celine Dion und der Countrysängerin Trisha Yearwood, stand er nach Empfang seiner Statue leicht gekrümmt da, mit einem schlecht sitzenden cremefarbenen Anzug am Leib und fettig-strähnigen Haaren.

Anders als Cobain aber, der offensiv bis aggressiv mit dem plötzlichen Ruhm umging, verschwand Smith danach einfach wieder von der Bildfläche. Nicht einmal die Zuschreibung that weird Oscar guy hielt sich lange.

Schüchternheit, Drogensucht, Depression - in seinem Fall blieben sie ohne Glamour.

From A Basement On The Hill, das Album, an dem Smith in den drei Jahren bis zu seinem Tod arbeitete, dokumentiert, wie weit er sich vom engen Low-Fidelity-Korsett gelöst hatte. Die Songs sind nicht schroff und weltabgewandt, sondern strahlen eine schmeichelnde Lebendigkeit aus. Sie wollen ihre Zeit überdauern, laden bis ins kleinste Detail zum Entdecken ein.

Jeder Pianoton sitzt an der richtigen Stelle wie in Pretty (Ugly Before), Streicher wie in Twilight sind nicht nur Ornament, sondern strukturieren den Songaufbau. Es mögen die Beatles gewesen sein, an denen er sich bewusst orientiert hat, doch fehlt der Musik die Unschuld. Stets hat man den Eindruck, Smith habe um die Größe seiner Songs gewusst- und zugleich um deren Vergeblichkeit. Seine Auffassung von Pop war zu introspektiv, um leichtsinnige Versprechen zu machen. Dass das den posthumen Ruhm kaum mehren dürfte, versteht sich - leider - von selbst.