Wenn die Türkei je der EU beitrete, sagen Skeptiker, dann werde sie zum unlenkbaren Koloss. Vielleicht aber ist es schon so weit. Der zyprische Präsident Papadopoulos hat angedroht, gegen die Aufnahme von Verhandlungen mit der Türkei sein Veto einzulegen. Ankara müsse zuvor Zypern offiziell anerkennen. Ob die EU-Kommission die Verhandlungen empfiehlt, ob die restlichen 24 EU-Staaten der Empfehlung folgen, ist Papadopoulos dabei durchaus schnurzpiepegal. Als Präsident eines Landes von der Größe der Stadt Bremen ist er so frei, die Türkeipolitik der EU zu prägen.

Wer, beim Zeus, ist Papadopoulos? Vor 30 Jahren war er Mitglied in der griechisch-zypriotischen Terrororganisation EOKA, die Briten und Türken von der Insel bomben wollte. Das muss man ihm nicht ewig nachtragen, schon aber seine extrem rechtspopulistische Politik als Präsident. Im April dieses Jahres hat Papadopoulos seine Griechen gegen den UN-Friedensplan aufgehetzt, der die Vereinigung der Insel und, aha, die Anerkennung Zyperns durch die Türkei vorsah. Die Zyperntürken stimmten für den Plan, die Zyperngriechen dagegen. Veränderungen, die Papadopoulos' Macht bedrohen, sind seither ausgeschlossen.

Derlei levantinische Privatfehden gehören nun zum Brüsseler Alltag.

Papadopoulos' Veto ist ebenso viel wert wie das von Gerhard Schröder. Das wissen auch Populisten in Tschechien, Litauen und anderswo. Die EU hat unangenehmere Probleme als den Großstaat Türkei, der in 15 Jahren mit nur einer Vetostimme beitreten könnte: die vielen Kleinen.