Der erste Runde Tisch des nachmaligen Wendejahres stand bereits im Frühjahr 1989 auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden. Falls jemand durch querulatorisches Palaver den Zusammenbruch der Diktatur vorbereitet hat, dann Christoph Heins Ritter der Tafelrunde. Er zeichnete die Vasallen des Königs Artus als zänkischen Verein alternder Kämpen, die den Glauben an einen Gral verloren haben - nach der Uraufführung in Dresden breitete sich das revolutionäre postrevolutionäre Stück wie ein Lauffeuer über die DDR aus.

Nun, da der gefährliche Dramatiker Hein Intendant des Deutschen Theaters in Berlin wird, könnte er noch einmal Unruhe stiften. Denn er hat stets darauf beharrt, mit seiner abgehalfterten Artusrunde nicht die entwickelte sozialistische Gesellschaft gemeint zu haben, sondern wirklich das Niveau unseres Jahrhunderts. Der verzehrende Hunger auf Hoffnung jedenfalls, von dem Artus sagt, dass er uns zu Feinden unserer selbst mache, ist noch nicht gestillt. Und die Rolle des Intellektuellen, wie Hein sie versteht, ist die eines Parias, der alles, worauf eine Gesellschaft fußt, infrage stellen muss, auch wenn es Prügel setzt.