Kapstadt

Der Friedensnobelpreis für eine Ökologin? Für eine Frau aus Afrika? Eine stellvertretende Ministerin? Wie heißt sie gleich noch? Wangari Maathai. Nie gehört. Derart offen sprach das natürlich kein Kommentator auf der Nordhalbkugel aus, aber so mancher legte die Stirn in Falten. Hätte es in diesen kriegerischen Zeiten nicht preiswürdigere Kandidaten gegeben? Eine Bäumepflanzerin aus Kenia, was hat das schon mit dem Frieden zu tun?

Sehr viel. Denn dort, wo große Armut und enormer Bevölkerungsdruck herrschen, entladen sich Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen, um fruchtbare Erde, Weideland, Wasserquellen oder Wälder, schnell in Gewaltakten. Man muss sich nur die Geschichte der Landkonflikte im Rift Valley vor Augen halten, gleich im Norden von Wangari Maathais Heimatstadt Nairobi. Umweltschutz ist in diesem Tal eine Art Friedensdienst, und das ist nicht nur hier so, sondern überall in Afrika, wo Brandrodungen, Überweidung oder die Ausbreitung der Wüste die Lebensgrundlagen von immer mehr Menschen gefährden.

Wangari Maathai ist die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis erhält, und sie wird eben nicht nur dafür geehrt, dass sie vor einem Vierteljahrhundert das Green Belt Movement ins Leben gerufen hat, eine Umweltbewegung, die an die 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. Die 64-jährige Professorin der Veterinäranatomie wird ausgezeichnet als Vorkämpferin für Demokratie und Menschenrechte in Kenia, für ihren Widerstand gegen das kleptokratische Regime des ehemaligen Präsidenten Daniel arap Moi. Sie nimmt den Preis stellvertretend für alle afrikanischen Frauen entgegen, jedenfalls für all jene, die den widrigen Verhältnissen auf ihrem Erdteil trotzen, der materiellen Not, den Krankheiten, dem Raubbau, der Rechtlosigkeit und Gewalt, den Chaosmächten des Krieges.

"Dies ist eine Würdigung der Frauen Afrikas, die trotz aller Probleme weiterkämpfen", erklärte Maathai. Eine Würdigung der unbekannten Frauen, die früh morgens zur Arbeit hinaus auf die Felder ziehen, oft mit einem Säugling auf dem Rücken und zwei Kindern am Rocksaum. Die in der Gluthitze des Mittags immer noch in einer endlosen Schlange stehen und auf Medikamente warten. Die nachmittags Getreide dreschen oder Hirse mahlen oder Mais stampfen und abends gewaltige Brennholzbündel oder Wasserkanister auf ihren Köpfen balancieren. "Wenn ich aufwache, beginnt die Arbeit, wenn ich einschlafe, endet sie", sagt Angeline Machipisa aus Simbabwe. "Unser Leben ist so hart, dass ich manchmal schreien und weinen möchte, um der Welt meine Sorgen mitzuteilen", erzählt Mariama Boubacar aus Niger. Zwei Bäuerinnen aus Afrika, die für Millionen sprechen. Sie säen, jäten, ernten. Sie gebären die Kinder und ziehen sie groß. Sie kochen und waschen. Sie pflegen die Alten und Aids-Kranken. Und nebenbei flicken sie das undichte Hüttendach und verdienen durch Perlenstickereien das Schulgeld für die Kinder.

Oft müssen die Frauen die Rolle der Alleinernährer ihrer Großfamilie übernehmen, weil die Männer im Krieg sind oder als Wanderarbeiter in den Städten und Industriezentren ihr Glück suchen und höchstens einmal im Jahr heimkommen. Weil sie vor der Verantwortung davongelaufen sind. Oder weil sie einfach in der nächsten Buschbar herumhängen und Palmwein saufen. Und da inzwischen die Mädchen und Frauen fast alles allein machen, wird die traditionelle Subsistenzwirtschaft manchmal auch "weibliche Landwirtschaft" genannt.

Der allmächtige Mao hat einst gesagt, Frauen würden die Hälfte des Himmels tragen. In Afrika tragen sie mindestens drei Viertel. Was wäre dieser Kontinent ohne den Einsatz seiner Frauen? Er stünde noch viel schlechter da. Die Statistik lässt den zynischen Schluss zu, dass die Mehrzahl der Afrikaner längst verhungert wäre, wenn die Afrikanerinnen nicht Hand anlegten: Sie erzeugen rund 80 Prozent der Nahrungsmittel.