Metergroß ruckelte die Raupe des Nachtpfauenauges mit knubbeligen Saugfüßen über die Leinwand. Wie ein Fabelriese reckte der Schreckhornbock seinen Astralkörper der Kamera entgegen. Es waren seltsame Protagonisten, die vor acht Jahren durch den Kinofilm Mikrokosmos kreuchten. Der Erfolg war groß. Nun kommen Claude Nuridsany und Marie Pérennou endlich mit dem nächsten Kunststück ins Kino.

Die tierischen Hauptdarsteller setzen sich erneut gut in Szene. Der Schlammspringer, ein Bewohner der Mangrovensümpfe Madagaskars, schwimmt ungern. Da ihn aber die Evolution bislang nicht mit Beinen ausgestattet hat, muss er sich zu helfen wissen. Geschickt setzt er seine Brustflossen als Krücken ein, hopst über den Strand und baut aus Sand eine monumentale Festung. Sofort fühlen wir uns mit diesem primitiven (und streitlustigen) Burgherrn verbunden - denn die Kreatur ähnelt bestimmt jenem Wesen, das sich vor 400 Millionen Jahren aufmachte, Land zu erobern.

Genesis zeigt die Entstehung von Universum, Erde und Leben in schönsten Bildern. Die Entwicklung veranschaulichen die Naturfilmer mit zeitgenössischen Besonderheiten, welche die Schlüsselkapitel der Tier- und Menschwerdung illustrieren. Erst bringen uns Lavaströme die lebensfeindliche frühe Erde nahe. Dann wölbt sich der Schlamm. Ein Klumpen, der aussieht wie eine Hand voll Schlick, manövriert sich an die Oberfläche: Willkommen, Grabfrosch! Er hat die Trockenzeit in der Erde überdauert - Regen hat ihn erweckt. Im Schöpfungsmythos formte Jahwe den Menschen aus Erde, erklären Nuridsany und Pérennou, diese >Schlammgeburt< erinnert daran.

Weitere Spezialitäten der Fauna bevölkern die Kapitel. Chamäleon, Krabbe, Qualle oder Krokodilfötus gesellen sich zur Freakshow der Evolution.

Eindrücklich zeigt uns der Schmuckhornfrosch, dass zum Fressen das Gefressenwerden gehört - das Opfer des getarnten Riesen: ein niedliches, in Sekundenbruchteilen verschlungenes Fröschchen.

Die Freude an all diesen Szenen wird nur von der Rahmenerzählung gestört.

Hier tritt ein Schamane auf, der, in seiner Lehmhütte sitzend, wissenschaftlich korrekt den Urknall und das Entstehen der Erde erklärt.