Der Dialog der Kulturen ist eine wichtige Angelegenheit, keine Frage. Leider ist er schlecht für die Frisur. Gastland der Frankfurter Buchmesse war in diesem Jahr die arabische Welt. Der Dialog zwischen Orient und Okzident stand im Mittelpunkt, und es war zum Haareraufen. Die Mundwinkel schmerzen noch vom angestrengten Lächeln. Wir verstehen uns zwar nicht, aber es ist gut, dass wir darüber reden, sagen die Lippen dazwischen. Hände werden geschüttelt und, wenn sich der Dialogpartner wegdreht, auch die Köpfe. Diese Araber! Sie wollen uns beweisen, dass sie keine Terroristen sind und dann - schauen Sie sich nur einmal diesen Bücherkatalog an. Voller Tippfehler. So kann das nichts werden!, zischelt die Dame mit dem Fellcape. In der Hand hat sie eine große Tüte. Die Scheichs haben sich nicht lumpen lassen. Bücher, Postkarten und ein Poster von Mekka. Alles zur Förderung des Dialogs. Doch der will nicht so richtig in Gang kommen. Wo seid ihr denn, ihr Europäer?

Auf den Diskussionsforen der Buchmesse jedenfalls nicht. Ihr interessiert euch nicht für uns!, stellt Abdulkhalek Abdullah, Politikwissenschaftler aus Dubai, fest. Tatsächlich waren viele der Diskussionsforen auf der Messe langweilig: Die Podien überladen mit Intellektuellen aller Couleur. Die Größten der Großen hatte man geholt. Und die anderen, die nicht offiziell von der Arabischen Liga Eingeladenen, waren auf eigene Faust gekommen.

An den Teilnehmern lag es nicht. Oder doch? Die Kollegen wollen den Islam verteidigen und sagen alle dasselbe. Kein Wunder, dass es langweilig ist, sagt Hend al-Khuthaila aus Saudi-Arabien. Es gibt ein Problem, erklärt ein ägyptischer Schriftsteller, der seinen Namen nicht im Zusammenhang mit Problemen lesen möchte, denn schließlich ist die arabische Welt gekommen, um einen positiven Eindruck zu vermitteln. Wir wollen natürlich den Dialog, aber zugleich müssen wir auch ganz dringend mit unseren Kollegen aus der Region ein paar Dinge besprechen. Frankfurt ist dazu eine gute Gelegenheit.

Der Dialog funktioniert also besser, wenn die Araber unter sich sind. Den Westlern geht es ähnlich. Sie bevorzugen Veranstaltungen, auf denen westliche Orientalisten über den Islam sprechen. Die Besucherströme zeigen: Wenn Gilles Kepel erklärt, wie die Araber denken, dann erscheint dies glaubwürdiger, als wenn es Scheich Abdallah Bin Salah al-Obeid aus Saud-Arabien tut. Allerdings versöhnte der saudische Professor so manchen Messegast wieder mit dem Dialog der Kulturen. Sein Vortrag Unterstützt die arabische Welt den Terrorismus?

forderte die arabischen Zuhörer so heraus, dass sie ihre Hemmungen fallen ließen. Auch wenn sich die Westler nicht an dieser Diskussion beteiligten: Gelangweilt haben sie sich nicht. Die Begegnung mit dem Orient war ein voller Erfolg, auch wenn alle hinterher ein wenig struppiger sind als zuvor.