Ein bisschen Schwangerschaft gibt es nicht, selbst nach einer demonstrativen Versöhnung. Auch wenn CDU-Chefin Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber in der Gesundheitspolitik noch zusammenfinden, am Ende gibt es nur die Alternative: entweder einkommensabhängige Beiträge zur Krankenversicherung oder eine Einheitsprämie, entweder Verteilungsgerechtigkeit oder ökonomische Effizienz.

Ein Gutes hatte der Streit zwischen CDU und CSU trotzdem. Zu lange hat sich die CDU vor konkreten Zahlen gedrückt, wie den Beziehern kleiner Einkommen geholfen werden soll, die Gesundheitsprämie - auch Kopfpauschale genannt - aufzubringen. Dank des Widerstands der CSU, die selbst nur untaugliche Pläne vorgelegt hat, musste die CDU endlich Berechnungen vorlegen. Heraus kam ein kräftiger Solidarzuschlag zulasten aller Arbeitnehmer und Unternehmen sowie ein kompliziertes Verrechnungssytem. Die Folge: Die Vorteile der Einheitsprämie werden durch üppige Umverteilung konterkariert.

Offenkundig haben alle Parteien das eigentliche Ziel aus den Augen verloren, nämlich durch eine spürbare Senkung der Abgabenlast - und dazu zählt neben den Sozialversicherungsbeiträgen auch die Lohn- und Einkommensteuer - den Spielraum für neue Jobs zu schaffen. Auch die SPD hat sich mit ihren Plänen für eine Bürgerversicherung vergaloppiert: Einem Minimum an Beitragssenkung steht ein Maximum an Bürokratie gegenüber.

Die Konsequenz kann nur lauten: Alle Reformer müssen nachsitzen - und rechtzeitig vor der nächsten Wahl vernünftige und praktikable Modelle vorlegen.