Meine Damen und Herren, sehr geehrte Hermaphroditen! So lautete einer der mehreren Anfänge und Angänge in der Dankrede Péter Esterházys für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, und wir wissen aus dem Biologieunterricht (Nacktsamer! Bedecktsamer!) und nicht zuletzt durch den Roman Middlesex von Jeffrey Eugenides, wie kompliziert die Sache mit den Geschlechtern ist. Seit der ersten Vergabe des Literaturnobelpreises im Jahr 1901 haben 89 Männer den Preis erhalten, 9 Frauen und kein einziger Hermaphrodit, von Nacktsamern und Bedecktsamern ganz zu schweigen. Dass dies ein Skandal ist, liegt auf der Hand.

Wir können aber die Schwedische Akademie nicht allzu sehr tadeln, denn man muss sich vor Augen halten, unter welchen geradezu mörderischen Proporzzwängen die heiklen Stockholmer Entscheidungen zustande kommen. Die Geschlechterfrage ist ja nur ein Aspekt unter vielen. Es müssen die klassischen Gattungen (Drama, Prosa, Lyrik) ebenso Berücksichtigung finden wie die Weltreligionen, die Sprachen, die nationalen Kulturen, und es versteht sich, dass auch moralische Fragen diffizilster Art von Bedeutung sind. Was wäre geeigneter, die Vernichtung der Regenwälder oder die Unterdrückung der Frau zu bekämpfen als ein Roman? Und weil das so ist, bedeutet die Zuerkennung des Literaturnobelpreises immer auch die Förderung der richtigen und gerechten Sache, woraus klar hervorgeht, dass die Schwedische Akademie das Schicksal der Welt in ihren Händen hält.

Begreifen wir jetzt die Prägnanz der jüngsten Wahl? Eine feministische Dramatikerin mit jüdisch-katholisch-österreichischem Hintergrund? Hier hat die Akademie fünf Klappen mit einer Fliege geschlagen, und wir warten voller Spannung auf die nächsten Entscheidungen. Es ist klar, dass immer wieder ins Gespräch gebrachte Autoren wie Philip Roth (der angloamerikanische Raum ist für lange Zeit nicht dran) oder Cees Nooteboom (er ist ein Mann, da hilft kein Schütteln und kein Klopfen) aus dem Rennen sind und sein müssen. Sie können zwar schreiben, aber das können viele, und das ist auch nicht der Punkt. Was die Schwedische Akademie braucht, ist leicht zu erraten. Es ist der in Blankversen dichtende kommunis-tisch-ökologisch gesinnte nacktsamende Hermaphrodit, der seiner Heimat Venezuela (wahlweise Kirgisien oder Slawonien) in stetigem Hass verbunden ist. Bewerbungen gern auch an diese Adresse: Finis