Vorhang auf für einen neuen Akt im Drama um das iranische Atomprogramm: An diesem Donnerstag wollen französische, britische und deutsche Diplomaten (die "EU-3") der iranischen Vertretung in Wien eine – ohne Übertreibung: verzweifelte – Offerte überreichen, die das Land doch noch zur Abkehr von der Uran-Anreicherung bewegen soll. Schon einmal war ein solcher Deal kurz nach der Unterzeichnung geplatzt, weshalb in den westlichen Hauptstädten bang gefragt wird: Warum sollte es diesmal gut gehen?

Vielleicht, hoffen die wenigen Optimisten, weil eine gewaltige Diplomatiemaschine in Bewegung gesetzt wurde, um alles vorzubereiten. Am Montag der vergangenen Woche einigte sich der EU-Ministerrat in Luxemburg auf ein Angebot an Teherans Adresse, anschließend oszillierten Politikbeamte zwischen den Hauptstädten der G8 – also Berlin, London, Moskau, Ottawa, Paris, Rom und Tokyo. Und natürlich Washington, wo am darauf folgenden Freitag ein dreistündiges Spitzentreffen der G8 stattfand, auf dem die EU-3 wohlwollendes Gemurmel vernahmen. Nur der amerikanische Außenstaatssekretär John Bolton soll in seiner unnachahmlichen Art gebrummt haben: "Bitte sehr, wenn sich die Europäer zum Affen machen wollen…" Das wäre dann die amerikanische Position.

Das Angebot umfasst einen Zweistufenplan. Stufe eins: Iran enthält sich auf unbegrenzte Zeit sämtlicher Verarbeitung von Atombrennstoff – ohne freilich sein Recht darauf preisgeben zu müssen. Diese Stufe muss bis zum 25. November genommen sein, wenn sich die Teilnehmerstaaten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien treffen, um abschließend über den Fall Iran zu befinden. Dann die zweite Stufe: Verhandlungen über Handelsbeziehungen, nukleare und andere technische Zusammenarbeit, die Teilnahme Irans an einem nahöstlichen Friedensprozess und, ganz generell, die Aufwertung des Landes als Partner der Weltpolitik, Sicherheitsgarantien eingeschlossen. Vielleicht sogar, und das wäre der Hauptgewinn, mit Beteiligung amerikanischer Unterhändler. Darin läge die Anerkennung Irans als einer respektablen Regionalmacht, deren Einfluss jenseits der afghanischen, irakischen und türkischen Grenze bislang nur als Störfaktor gewertet wurde, wenn nicht als Schlimmeres.

Was will Teheran mehr? Diese Frage wird sich Iran nun stellen müssen, weshalb die Antwort auf das Angebot tief blicken lassen wird.

Im März schießt Iran einen Satelliten ins All. Israel ist alarmiert

Wegen des iranischen Atomprogramms sorgt sich die Welt, seit im August 2002 iranische Oppositionelle über eine ungemeldete Uran-Anreicherungsanlage und eine ebenfalls versteckte Fabrik zur Herstellung Schweren Wassers informierten. Beide Techniken können sowohl friedlichen Zwecken dienen als auch deren Gegenteil. Bald darauf entdeckten Inspektoren der IAEA weitere nicht deklarierte Nuklearaktivitäten, die zur Beunruhigung beitrugen – obwohl sich für jeden Einzelfall auch ein ziviler Zweck angeben ließe.

Just das macht die Beurteilung so schwierig. Das technisch beeindruckende Programm, mit dem Iran ein Drittel des Landes nach Uran abgesucht hat; die Erkundungsminen in Zentraliran; die Errichtung von Anlagen für alle Stufen des Herstellungsprozesses von Uranerz bis zu Brennelementen für Kernkraftwerke: Ausmaß und Zeitplan dieses Kraftakts würden noch durchaus zu dem Ziel passen, Mitte 2006 das 1000-Megawatt-Kraftwerk in Buschehr am Persischen Golf in Betrieb zu nehmen. Damit freilich ist Harmlosigkeit noch nicht bewiesen. Denn auch ein Atomprogramm, das der Stromerzeugung dient, lässt sich unfriedlich umwidmen.

Im natürlich vorgefundenen Uran liegt der Anteil des Bombenstoffs Uran-235 an der Zusammensetzung der verschiedenen Uransorten (Fachbegriff: Uran-Isotope) bei 0,7 Prozent. Für die meisten Reaktortypen muss die Mischung auf 4,5 Prozent Uran-235 angereichert werden. Für gut funktionierende Atomwaffen sind 90 Prozent Uran-235 erstrebenswert. Doch wer schon auf 4,5 Prozent angereichert hat, ist aus technischen Gründen bereits mehr als zwei Drittel des Weges gegangen; für die Anreicherung auf 90 Prozent sind keine weitere Ausrüstung und nur noch wenig zusätzliche Energie nötig. Mithin: Sobald Iran seinen Atom brenn stoff selbst herstellen kann, bietet Atom spreng stoff kein technisches Problem mehr.