Drei Jahre waren sie von der Bildfläche verschwunden, nun sind sie wieder da: 65 Meisterwerke aus dem Besitz der Fürsten zu Fürstenberg. Im November 2001 hatte der damalige Erbprinz und heutige Fürst Heinrich zu Fürstenberg sie bei Nacht und Nebel im Privatmuseum in Donaueschingen abhängen und einlagern lassen (ZEIT Nr. 2/01). Inzwischen gehören sie dem Unternehmer Reinhold Würth. Und der zeigt sie nun erstmals in seiner eigenen Kunsthalle in Schwäbisch Hall.

1954 hatte Würth von seinem Vater einen Zweimannbetrieb übernommen, den er zum weltweiten Konzern für Befestigungs- und Montagetechnik ausbaute (Jahresumsatz 2003: 6,2 Milliarden Euro). Bisher sammelte und zeigte Würth ausschließlich Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit dem Mittelalter verbanden ihn nur Besuche in den großen Museen in Madrid oder St. Petersburg auf Geschäftsreisen, erzählte Würth freimütig bei der Präsentation von Werken Hans Schäufeleins, Tafeln aus der Werkstatt Cranach des Älteren und anderen in der Region tätigen Malern und Meistern.

Weniger als 50 Millionen Euro hat Würth nach eigenen Angaben bezahlt, als er im November 2003 die Tafelbilder komplett vom Fürstenhaus erwarb. Es war der Kunsthändler Christoph Graf Douglas, der Würth zu diesem Kauf überredete. Er hatte bereits den Holbein-Zyklus Graue Passion aus dem Fürstenbergischen Besitz an die Staatsgalerie Stuttgart vermittelt und den Verkauf der Handschriften und Inkunabeln aus der Hofbibliothek vor zwölf Jahren gedeichselt. Erst nach der Hängung hier im Haus habe ich überhaupt begriffen, was ich da gekauft habe, sagte Würth bei der Pressekonferenz mit entwaffnender Offenheit. Eine Bildersammlung vom Rang eines Landesmuseums, nennt sie der frühere Direktor am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und Katalogautor Kurt Löcher. Von allen Beteiligten wurde der Ankauf als ein Geschäft beurteilt, bei dem es nur Gewinner gibt.

Bis zum 1. Mai 2005 werden die teils ein wenig zu eifrig restaurierten Bildtafeln nun in Schwäbisch Hall präsentiert. Unangetastet blieb die feine Patina bei den Heiligendarstellungen des Meisters von Messkirch, etwa der Heiligen Afra und dem Heiligen Antonius als Einsiedler. Danach gehen die Werke für rund zwei Jahre auf Weltreise, unter anderem nach Palermo. Erst dann wird feststehen, ob die ebenfalls von Reinhold Würth erworbene Johanniterkirche in Schwäbisch Hall so hergerichtet und gesichert werden kann, dass die Kunstwerke darin ein dauerhaftes Refugium erhalten können. In der Kiste werden sie keinesfalls wieder verschwinden, kündigte Würth in Schwäbisch Hall an.

Somit könnten die einst von Joseph von Lassberg, dem seinerzeit höchsten Regierungsbeamten der Fürstenbergs (1770 bis 1855) zusammengetragenen Tafeln in gelassener Ruhe Zwiesprache miteinander und den Besuchern halten. Eine Auktion hätte die Bilder, von denen die betreuenden Kunsthistoriker sagen, dass sie sich viel zu erzählen haben, in alle Winde zerstreut.