Die Gefahr spekuliert mit. Wer wie viele andere deutsche Anleger von Aktien oder Fonds auf Investmentzertifikate umsteigt, denkt meist nur an die Vorteile dieser immer beliebteren Finanzprodukte: So lässt sich durch die geschickte Auswahl geeigneter Zertifikate die persönliche Risikoneigung deutlich besser berücksichtigen als beim traditionellen Fondssparen. Nervenaufreibende Schwankungen des Depotvermögens können durch den Wechsel von Aktien in Garantie-, Bonus- und Discountzertifikate deutlich reduziert werden (für Details siehe Geld Spezial in ZEIT Nr. 21/04). Deren Anbieter werben denn auch gerne mit dem Wort von der Risikooptimierung.

Ein wichtiges Risiko aber erwähnen sie höchstens nebenbei: Bei Zertifikaten handelt es sich im Gegensatz zu Investmentfonds juristisch nicht um Sondervermögen. Bei Zahlungsproblemen oder einem Konkurs der ausgebenden Bank, des Emittenten, werden Besitzer von Zertifikaten nur aus der Konkursmasse bedient.

Anders Aktien- und Rentenfonds: Sie werden vom Vermögen der jeweiligen Fondsgesellschaft vollkommen getrennt verwaltet. Eine Pleite der Fondsgesellschaft ist zwar ärgerlich, der Wert der Fondsanteile und damit das Vermögen der Investoren ist davon allerdings nicht direkt betroffen. Zertifikate hingegen sind rechtlich gesehen nichts anderes als Inhaberschuldverschreibungen mit variablem Rückzahlungswert. Zusätzlich zum ganz normalen Anlagerisiko, dem sich auch jeder Aktienkäufer oder Fondsanleger aussetzt, ist bei Zertifikaten also – wie übrigens auch bei Optionsscheinen – das Emittentenrisiko zu berücksichtigen.

Anbieter ohne angemessenes Rating sollten gemieden werden

Dieter Lendle, Vorstand des Deutschen Derivate Instituts (DDI), rät Anlegern, dieses Risiko beim Kauf von Zertifikaten unbedingt zu berücksichtigen. "Bevorzugt werden sollten Produkte solcher Anbieter, die von den Rating-Agenturen Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch mit einem Rating im Investmentgrade-Bereich versehen sind respektive über eine entsprechende Rating-Empfehlung verfügen." Emittenten ohne angemessenes Rating sollten dagegen gemieden werden. André Bütow, Vorstand der gering kapitalisierten Wertpapierhandelsbank Lang & Schwarz, die kein Rating besitzt, betont jedoch: "Selbstverständlich unterliegen auch Emittenten ohne Rating der strengen Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)." Aktiv wurde das BaFin zum Beispiel bei der German Asset Managers AG. Auf Anordnung der Aufsichtsbehörde wurde ein Abwickler bestellt, verschiedene Zertifikate des Finanzdienstleisters mussten vom Börsenhandel ausgesetzt werden.

Noch einen Schritt weiter als Lendle geht Heiko Weyand, Derivateexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Er rät Anlegern, "die sich nicht ganz sicher fühlen, auf Zertifikate von Instituten mit einem A-Rating zurückzugreifen" (für die Ratings siehe Tabelle).

Gelassen bleibt Petra Becher von der UBS Investmentbank. Für sie gehört die Berücksichtigung des Emittentenrisikos zwar zum Prozess der Kaufentscheidung, eine Empfehlung aber, auf Produkte bestimmter Emissionshäuser grundsätzlich zu verzichten, möchte sie daraus nicht ableiten. "Schließlich haben auch Unternehmensanleihen mit höherem Risiko durchaus ihren Markt, wobei der Gläubiger bei ihnen allerdings durch eine entsprechende Risikoprämie in Form einer höheren Verzinsung entschädigt wird", sagt Becher.