Wenn man sich in den zurückliegenden Jahren auf irgendetwas verlassen konnte, dann waren es die schlechten Nachrichten aus dem deutschen Einzelhandel. Die Krise des Warenhauskonzerns KarstadtQuelle ist nur ein prominentes Beispiel. Viele kleinere Handelsgeschäfte leiden still und sterben heimlich, rund 4700 dürften es in diesem Jahr sein, schätzt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform aus Neuss. In den Fußgängerzonen hinterlassen sie besenrein gefegte Ladenlokale, an deren Fensterscheiben monatelang Zu vermieten-Schilder kleben und in die irgendwann vielleicht ein Handyoberschalenverkäufer einzieht. Wenn's gut läuft.

Gerade hat das Statistische Bundesamt die Umsatzzahlen für die ersten neun Monate 2004 bekannt gegeben, und wieder einmal sind sie niedriger ausgefallen als im selben Zeitraum des Vorjahres: real minus 1,3 Prozent. Das laufende Jahr haben die Einzelhändler schon abgeschrieben, ihr Branchenverband HDE erwartet insgesamt ein Minus von 0,5 Prozent. Nicht ganz so schlimm wie 2003 und 2002 zuvor, aber auch kein Grund zum Feiern. Seit drei Jahren tragen die Menschen ihr Geld lieber zur Bank als in die Geschäfte, klagt Hermann Franzen, Präsident des Handelsverbands und Inhaber eines vornehmen Porzellanhauses auf der Düsseldorfer Königsallee. Und fügt bedauernd hinzu: Ich habe manchmal das Gefühl, in Deutschland gibt es inzwischen 365 Weltspartage.

Es wird ihm wahrscheinlich auch nicht helfen, die Zugkraft des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts zu beschwören. In den Wochen vor dem Fest machen deutsche Einzelhändler gewöhnlich ein Fünftel ihres Jahresumsatzes, und wenn ihr oberster Lobbyist Franzen verkündet, wir wollen in den Monaten November und Dezember insgesamt eine Milliarde Euro mehr erlösen als vor einem Jahr, dann zeigt dies vor allem eines: dass Weihnachten ein Fest der Wünsche ist.

Und Wünsche gehen bekanntlich nicht immer in Erfüllung.

Weil die Feiertage in diesem Jahr auf ein Wochenende fallen, haben die Bundesbürger zwar zwei Werktage mehr Zeit als im vergangenen, um Geschenke zu kaufen. Doch werden sie diese zusätzliche Zeit auch nutzen? Und wenn ja: Werden sie auch mehr Geld ausgeben? Die jüngsten Zahlen des Nürnberger Konsumforschungs-Unternehmens GfK deuten nicht darauf hin. Die Erwartung an die Entwicklung von Konjunktur und persönlichem Einkommen waren im Oktober ebenso rückläufig wie die Neigung zu größeren Anschaffungen.

Es ist ja auch nicht überraschend. Nettolöhne und -gehälter gehen leicht zurück, etliche Betriebe haben das Weihnachtsgeld gekürzt - eine Situation, die wohl kaum einen Arbeitnehmer in einen adventlichen Kaufrausch versetzen wird. Was hingegen steigt, ist die Sparquote, also der Anteil des verfügbaren Einkommens, der beiseite gelegt wird - von 10,6 Prozent auf 10,8 Prozent im vergangenen Jahr.

Man könnte Letzteres als typisch deutsches Angstsparen abtun, als ein panisches und übertriebenes Verhalten. Man könnte aber ebenso gut fragen, ob die Deutschen nicht bloß langsam zu verstehen beginnen, was ihnen Politik und Wirtschaftsverbände schon seit mehreren Jahren einflüstern: dass private Vorsorge immer wichtiger wird. Dass nur jene, die ihren Konsum heute freiwillig einschränken, im Alter nicht dazu gezwungen werden.