Sie sitzt ganz gelassen auf einer Bank in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn, und lächelt. Man merkt Wafaa El Saddik nicht an, dass ihr Alltag gewöhnlich alles andere als entspannt ist. Als Generaldirektorin des Ägyptischen Museums in Kairo ist sie eine Frau ganz oben - in einem Land, in dem man Frauen in Führungspositionen sonst vergebens sucht. Sie steht einer Institution vor, die fast jeder Tourist aufsucht, der das Land bereist.

In der Obhut des Ägyptischen Museums landen seit hundert Jahren alle Artefakte, die Archäologen aus dem Wüstensand holen: von den großen Kalksteinstatuen bis zu den kleinen Skarabäen, von den Papyri der Schreiber bis zum Gold der Pharaonen - Schätze, wie die aus dem Grab des Tutanchamun, deren Ausstellung sie hier in Bonn aufbaut.

Wafaa El Saddik hat sich daran gewöhnt, bei ihrer Arbeit beobachtet zu werden. Als sie die Stelle vor zwei Jahren antrat, lehnten sich alle Beteiligten genüsslich zurück, um in aller Ruhe abzuwarten, wann sie wohl ihren ersten Fehler machen würde - und man die Stelle wieder mit einem Mann besetzen könne. Sie stürzte sich in die Arbeit. Sie begann damit, sich in den Ecken und Winkeln des Museums genau umzuschauen. Dort fand sie zunächst ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter, die sich seit Jahren im Halbdunkel des Hauses versteckten, ohne je über ihre Forschungsergebnisse Rechenschaft abzulegen.

Wafaa El Saddik bestimmte, dass künftig jeder Wissenschaftler an ihrem Museum in regelmäßigen Abständen zu publizieren habe.

Nach außen allerdings dringen ihre Bestrebungen bisher kaum. Sowohl in ihrem eigenen Land als auch in der internationalen Szene kennt fast niemand ihren Namen. Zu mächtig ist ihr Vorgesetzter, Zahi Hawass, Generaldirektor der Antikenverwaltung, der mit seiner Forderung nach Rückführung der ägyptischen Fundstücke aus europäischen Museen in ihre Heimat für diplomatische Turbulenzen sorgte. Seitdem beäugt die internationale Ägyptologengemeinschaft jede Entwicklung in Kairo mit großer Skepsis. Und während sich die Presse begierig auf den Chefägyptologen stürzt, ist Wafaa El Saddik auf Fotos nur lächelnd im Hintergrund zu sehen. Sie versucht unterdessen zu vermitteln, bezeichnet die heiße Diskussion der letzten Monate als eine unglückliche Reihe von Missverständnissen.

Wie ein Putzteufel wirbelt die Direktorin durch das Museum

Das Nächste, was sie nach dem Personal aus den Ecken des Museums hervorholte, war der Staub der vergangenen hundert Jahre. Oft legt Wafaa El Saddik selbst mit Hand an beim Staubwischen. Wie ein Putzteufel wirbelt sie durch die Räume, ihre Mitarbeiter dabei so lange vor sich hertreibend, bis diese entrüstet protestieren: Wir sind hier doch nicht in Deutschland! Damit aber können sie ihre Chefin nicht treffen, im Gegenteil: Deutschland, wo sie von 1987 bis zu ihrem Amtsantritt in Kairo mit ihrem ägyptischen Mann lebte, gilt in ihrer Heimat als Herd der Perfektion. Und Wafaa El Saddik arbeitet daran, ihre Vitrinen so strahlen zu lassen, als sollten sie in einem Meister-Proper-Werbespot gezeigt werden.