Dieses Bild könnte auch eine glückliche Wiederkehr zeigen – die eines kleinen Mannes, der lange im Weltraum unterwegs war, ausgezehrt nun, aber froh. Sein Gesicht beseelt von einer Wahrheit, die wir nicht kennen und die womöglich gar nicht für uns bestimmt ist.

Doch ist es ein Abschied. Wahrscheinlich auf immer, ein Abschied, der nicht sein darf und folglich im Rahmen eines verlogenen Bildes gefeiert wird. Ärzte aus Jordanien, Ägypten, Tunesien überlassen den Palästinenserpräsidenten ihren französischen Kollegen, die vor Kameras weniger heiter sein müssen, selbst wenn sie dem Patienten zumindest körperliche Heilungschancen einräumen. Was immer passiert, dies ist der Schnappschuss eines politischen Todes.

Die Hände: Wer spendet wem noch Kraft? Die gedrängelte Symmetrie der Vertrauten: als sollten die wartenden Furien des Verschwindens verjagt werden. Bei Rubens sitzen die Schützengilden so, und auch Velasquez kennt den Typus des verzweifelt grinsenden Höflings. Hier gelingt das Herrscherbild nicht mehr. Zu dicht schmiegen sich alle an den greisen Infanten – Babyblau, Pudelmütze, Erwachsenenlachen auf dem Kindergeburtstag; es ist ein trauriges Beherrschtenbild, würdelos wider Willen, Arafat, der den Tod sehr vieler Menschen billigte und nie anders als in Uniform zu sehen war.

Eine vertraute Bildformel im Augenblick der Entkernung. Das verleugnete Siechtum macht nichts Menschliches sichtbar, nur einen Rest Kreatürlichkeit. Die Politik will, dass der König weiterlebt, auch wenn er stirbt – und sei’s in der Erinnerung an seine Unversehrtheit. Gleich wird Arafat unvermutet die Hand seines Nachbarn küssen. Die TV-Kamera zuckt weg.

Das Bild des Verlöschenden wird bereits vom Bild des ewig untoten bin Laden überblendet. Dies ist das Ende des weltlichen, plebejischen Intifada-Kämpfers, des Terroristen und der politischen Marionette. Der Platz ist frei für das Gespenst aus dem pakistanischen Grenzland, für den körperlosen Aristokraten, den Dämon. Für Arafat beginnt die Reise eines schlimmen Tages in die Nacht. Der Imam, der aus der Hölle predigt, wird aber wohl nie Geschichte werden.