Oskar Pastior:

Minze Minze flaumiran Schpektrum

Werkausgabe Band 3 - hrsg. von Ernest Wichner - Edition Akzente, Hanser Verlag, München 2004 - 347 S., 21,50 e

Hurra!, sie kommt voran, sie schreitet fürbass, die Ausgabe des Gesamtwerks von Oskar Pastior im Hanser Verlag, eins der wichtigsten gegenwartsliterarischen Werke überhaupt. Jetzt ist der dritte Band erschienen, der erste und der vierte stehen noch aus. Darin finden wir neben einigen raren, oft an entlegenem Ort veröffentlichten Textlein und Texten (wie den Fußnoten zur rumänischen Avantgarde) die drei Bände Wechselbalg (1980) Ein Tangopoem (1978) und vor allem: Der krimgotische Fächer aus demselben Jahr. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Erstveröffentlichung entfaltet dieser lyrische Fächer wieder seinen raunenden, brummelnden, taumelnden, heiseren, glucksenden Zauber - ja, vielleicht mehr noch als 1978 heute, da Europens große Mauer gefallen ist und die Sprachen sich aufs Neue vermischen. Pastiors pseudobalkanische Travestie aus Rumänisch und Ungarisch und Deutsch, Latein und Türkisch (Sprachtraumerinnerung auch an Hermannstadt in Siebenbürgen, wo er 1927 geboren wurde und seine Kinderjahre verbrachte) klingt plötzlich wie eine seltsame, halb traurig bange, halb heiter verrückte Zukunftsmusik.