Nun ist es sicher: George W. Bush wird Präsident der Vereinigten Staaten bleiben. Obwohl das Ergebnis im "swing state" Ohio, der vor der Wahl zu den wichtigsten unentschiedenen Staaten zählte, noch nicht feststeht, konnten tausende Republikaner-Fans mit "Four more years! Four more years!" George W. Bush bejubeln, als er gestern Abend auf der Bühne des Reagan Centers in Washington auftrat, um seinen Sieg zu zelebrieren: "Amerika hat gesprochen, und ich bin tief geehrt angesichts des Vertrauens und der Zuversicht meiner Landsleute. Mit diesem Vertrauen kommt die Verpflichtung, allen Amerikanern zu dienen, und ich werde mein Bestes tun, diese Aufgabe jeden Tag zu erfüllen."Landesweit kam Bush auf 51 Prozent der Stimmen, Kerry auf 48 Prozent. Damit lag der amtierende US-Präsident mit mehr als 3,5 Millionen Stimmen vor dem Senator aus Massachusetts. Insgesamt stimmten rund 114 der 217 Millionen Wahlberechtigten ab, für die USA eine Rekordbeteiligung seit über 40 Jahren.John Kerry hatte am ende des Nachmittags Gestern seine Niederlage eingestanden. Vor seinem Publikum in Boston gratulierte der unterlegene Herausforderer George W. Bush und forderte ihn auf, die Nation wieder zu versöhnen. "Wir sind aufgerufen, zum Wohle unseres Landes zusammenzuarbeiten. Wir müssen in diesen Tagen eine gemeinsame Basis finden, uns gemeinsam anstrengen, ohne Gewissensbisse, ohne gegenseitige Beschuldigungen, ohne Wut und Hass... Ich hoffe, Präsident Bush wird alle diese Werte in den nächsten Jahren unterstützen," sagte Kerry, der von einem "dringenden Bedarf" von Einigkeit für Amerika sprach."Ich möchte zu denen sprechen, die meinen Gegenkandidaten gewählt haben" antwortete Bush in seiner Rede. "Um dieses Land besser und stärker zu machen, brauche ich Ihre Unterstützung. Ich will alles tun, um Ihr Vertrauen zu verdienen. Wir haben ein Land, eine Verfassung und eine Zukunft, die uns verpflichtet. Und wenn wir zusammenarbeiten, gibt es für die Größe Amerikas keine Grenzen." Er versprach, "die entstehenden Demokratien im Irak und in Afghanistan" zu helfen, "so dass sie wachsen und ihre Freiheit verteidigen können. Und dann werden unsere Soldaten heimkehren, und wir werden sie gebührend ehren." Das Thema Terror, das von den Republikanern als Leitmotiv der Kampagne genutzt wurde, tauchte schnell wieder auf: "Mit guten Verbündeten werden wir den Kampf gegen den Terror mit allen Anstrengungen führen, damit unsere Kinder in Freiheit und Frieden leben können."Bundeskanzler Gerhard Schröder beglückwünschte Bush zur Wiederwahl. "Mit großer Erwartung sehe ich unserer weiteren Zusammenarbeit auf der Grundlage der engen Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten entgegen", sagte er. "Die Welt steht zu Beginn Ihrer zweiten Amtszeit vor großen Herausforderungen: Internationaler Terrorismus, die Gefahr der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, regionale Krisen, aber auch Armut, Klimaveränderungen und Epidemien bedrohen unsere Sicherheit und Stabilität. Diese Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam meistern" schrieb Schröder weiter. Deshalb sehe er "mit großer Erwartung" der weiteren Zusammenarbeit "auf der Grundlage der engen Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten" entgegen.Auch aus den gleichzeitig stattfindenden Kongresswahlen gingen die regierenden Republikaner gestärkt hervor. Im Repräsentantenhaus hatten sie bis zum Nachmittag 229 der 435 Sitze sicher und konnten mit vier weiteren rechnen. Auf die Demokraten entfielen mindestens 200 Mandate. Im Senat konnten die Republikaner laut vorläufigen Ergebnissen ihre derzeitige Mehrheit von 51 auf 55 Sitze ausbauen. (AXW)