Das Wintersemester hatte noch gar nicht angefangen, da verkündete die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) schon stolz die erste Rekordzahl. "So viele neue Lehrlinge wie noch nie" hat die Hochschule zum 1. September eingestellt. Die Zahl selbst, 33, mag sich im Verhältnis zu den rund 8.200 Erstsemestern eher lächerlich anhören, tatsächlich aber bildet die LMU so viele junge Menschen aus wie ein größeres mittelständisches Unternehmen.

München ist dabei keine Ausnahme: Die deutschen Hochschulen spielen eine zunehmend wichtige Rolle auch bei der nichtakademischen Ausbildung, und das nicht nur dank ihrer Universitätskrankenhäuser, wo traditionell viele Pflegekräfte und Handwerker benötigt werden. Vom Tierpfleger bis zum Chemielaboranten, vom Glasapparatebauer bis zum Fotografen, "ein sehr breites Spektrum" an Lehrberufen macht Susanne Schilden von der Hochschulrektorenkonferenz aus.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gibt die Zahl der Uni-Azubis mit knapp über 15.000 an, immerhin fast doppelt so viele, wie der Autokonzern DaimlerChrysler deutschlandweit ausbildet – und zumindest bei den Hochschulen ist die Tendenz steigend. Denn eine größere Zahl von Studenten bedeutet auch mehr Azubis, während viele Unternehmen ihre Lehrstellen zusammengestrichen haben und im Oktober noch immer 31.200 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchten.

Die LMU, die es auf insgesamt 82 Lehrlinge in allen Ausbildungsjahren bringt, liegt dabei im deutschlandweiten Vergleich noch nicht einmal vorne. Die Freie Universität (FU) in Berlin etwa kommt auf 120 Azubis, davon 32 im ersten Lehrjahr, die Universität Freiburg auf 87, darunter hauptsächlich Chemielaboranten und Feinwerkmechaniker. Karl-Heinrich Steinheimer, Hochschulexperte bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, betont allerdings: "Nicht auf die Zahl der Lehrlinge kommt es an, sondern auf die Qualität der Ausbildung."

Und die unterscheidet sich tatsächlich von Hochschule zu Hochschule: Wer zum Beispiel Gärtner lernen möchte, ist in Berlin hervorragend aufgehoben, denn die FU ist für die Pflege des außerordentlich vielfältigen Botanischen Gartens zuständig. Die LMU hingegen ist bekannt für ihre Tierärztliche Fakultät am Englischen Garten mit ihren Stallungen. Wer sich schließlich für einen Job als Verwaltungsfachangestellter begeistert, könnte unter anderem die Universität zu Köln interessant finden, die deutsche Hochschule, die immer noch am meisten Studenten (an die 50.000) zu verwalten hat.

Vielleicht kommt es ja eines Tages, das erste Uni-Ranking mit den besten Hochschulen für zukünftige Auszubildende. Die Nachfrage dafür wäre auf jeden Fall da.