Wirklich überraschend ist die Nachricht nicht: Deutschlands attraktivste Hochschulen finden sich in Baden-Württemberg. An diesem Donnerstag veröffentlicht das von der Bertelsmann-Stiftung finanzierte Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) ihr neues Länder-Ranking, und da liegt der ohnehin erfolgsverwöhnte Südwesten ganz vorn – vor Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. "Dass Baden-Württemberg so hervorragend abschneidet, liegt nicht nur daran, dass das Land viel Geld in die Universitäten gesteckt hat", sagt CHE-Leiter Detlef Müller-Böling, "sondern auch daran, dass es frühzeitig eine Hochschulreform eingeleitet hat." Illustration: Daniel Matzenbacher für DIE ZEIT

Das Papier fasst das bekannte CHE-Hochschul-Ranking, das vom kommenden Jahr an in der ZEIT erscheinen wird, nach Bundesländern sortiert zusammen. Das CHE-Ranking untersucht einzelne Studienfächer und beantwortet dabei vier verschiedene Fragen: Wie zufrieden sind die Studenten, wie lange studieren sie, wie gut ist die Forschung in den einzelnen Fächern und wie hoch die Reputation? Für das Länder-Ranking zählt das Gütersloher CHE nur die Spitzenplätze.

Die 111 untersuchten Fakultäten in Baden-Württemberg erzielen in diesen vier Bereichen insgesamt 165 Spitzenplätze – ein Wert von 1,49 Bestplatzierungen pro Fakultät. Mit deutlichem Abstand folgen Bayern mit 1,19 Spitzenplätzen und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Wert von 1,13. Schlusslicht ist Hamburg mit einem miserablen Ergebnis von nur 0,38 Bestplatzierungen.

Die Stärken der baden-württembergischen Universitäten zeigen sich insbesondere bei ihrer Reputation (Platz 1 in Deutschland), bei der Forschung und auch der Zufriedenheit der Studenten (Platz 2). Lediglich bei der Studiendauer hinkt der Südwest-Staat deutlich hinterher (Platz 6). Hier sind die vier ostdeutschen Länder Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Bayern besser. Das Gesamtergebnis kann das jedoch nicht schmälern.

"In Baden-Württemberg passiert was", sagt Müller-Böling. Tatsächlich hat das Land vom Ende der neunziger Jahre an das Hochschulwesen entschlackt – und den Unis schon frühzeitig mehr Freiheiten gegeben, etwa durch eine stärkere Unabhängigkeit der Hochschulleitung und das Recht, sich Studenten selbst auszuwählen. Dazu wurden Studiengebühren für Langzeitstudenten eingeführt.

Auch das Land Niedersachsen, das seine Hochschulen vor kurzem in sehr selbstständige Stiftungsuniversitäten umgewandelt hat, hat im Vergleich zum vergangenen CHE-Länder-Ranking einige vordere Platzierungen hinzugewonnen. "Das sind wesentliche Hinweise darauf, dass neue Freiräume und Autonomie in die richtige Richtung gehen", analysiert Müller-Böling und sieht sich selbst bestätigt. Denn mehr Freiheit für die Unis fordert der CHE-Chef schon seit Jahren.

Auch wenn man einzelne Fächergruppen anschaut, schneidet das Musterländle gut ab: bei Geistes-, Ingenieur- sowie Rechts- und Sozialwissenschaften Platz 1, bei den Naturwissenschaften Platz 3 hinter Bayern und Thüringen. Schlusslichter sind Bremen (überhaupt kein Spitzenplatz bei den Geisteswissenschaften), das Saarland (kein Spitzenplatz bei den Ingenieuren), Brandenburg (0,14 Spitzenplätze pro Fakultät bei den Naturwissenschaften) und trotz aller Fortschritte Niedersachsen (gerade einmal 0,19 Spitzenplätze bei Juristen und Sozialwissenschaftlern).

Der Ranking-Euphorie zum Trotz: CHE-Leiter Müller-Böling warnt vorsorglich schon einmal vor der Versuchung, die Erfolge in den unionsgeführten Ländern Baden-Württemberg, Bayern auf das parteipolitische Profil zurückführen zu wollen. "Da kann ich keinen Unterschied feststellen, welche Partei etwas gemacht hat. Hier gehen Erfolge quer durch alle Parteien."