Ein für das moderne China beispielloser Streik ist zu Ende. Vor sieben Wochen hatten Textilarbeiter einer Fabrik in Xianyang die Arbeit niedergelegt (ZEIT Nr. 45/04). Seit Beginn der Reformen sei es, sowohl was die Länge als auch was die Entschlossenheit und Einigkeit der Arbeiter betrifft, der größte Ausstand gewesen, den es gab, schreibt das China Labour Bulletin aus Hongkong. Der chinakritische Nachrichtendienst veröffentlicht seit vielen Jahren unter der Leitung des Dissidenten Han Dongfang zensierte Informationen über die Arbeiter in China (www.clb.org.hk). Die ZEIT habe - so der Nachrichtendienst - als weltweit einzige Zeitung aus Xianyang über den Streik berichtet.

Inzwischen sind die 6000 Weber und Weberinnen der Tianwang-Fabrik wieder bei der Arbeit. Willkürliche Verhaftungen der Polizei zwangen die Streikenden zur Aufgabe. Drei Teilnehmer des Streiks werden zudem noch steckbrieflich gesucht. Sie erwartet jahrelange Haft wegen Staatsverrats oder die Umerziehung im Arbeitslager. Die Lokalregierung ist mit beinharten Repressionsmethoden vorgegangen und hat die Politik des sozialen Dialogs der Zentralregierung vollkommen ignoriert, beschrieb Han Dongfang den Streikausgang.

Die chinesische Öffentlichkeit hat vom längsten Arbeiterstreik seit einem Vierteljahrhundert und seinem jähen Ende kein Wort erfahren.