Die Kritik am Untergang war überfällig. Dieser Film wird, ganz in der Manier von Knopp und Co., allen gerecht. Er hat keine Meinung, verschweigt jeglichen historischen Kontext, und darin liegt die Gefahr: Selbst der überzeugte Neonazi verlässt den Kinosaal womöglich, ohne in seinem Hitler-Bild korrigiert worden zu sein.

Während der Film bemüht ist, die NS-Elite möglichst menschlich darzustellen, ist das einzige Täterbild, das er vermittelt, das des SA-Mobs. Es ist der grobschlächtige Henker, der durch die Trümmer Berlins zieht, um Fahnenflüchtige zu massakrieren, mit dem sich der Kinobesucher nicht identifizieren soll. Doch das Bild des wüsten SA-Schlägers als Repräsentant der NS-Verbrechen wurde von Historikern allenfalls zu Zeiten vertreten, in denen Joachim Fest seine Hitler-Biografie verfasste. Der historische Kontext wird zumeist völlig ignoriert. Kaum ein Satz Hitlers oder seiner Gefolgsleute, der dem Zuschauer die NS-Barbarei ins Gedächtnis ruft und an die Opfer der so menschlich auftretenden Protagonisten erinnert. Allenfalls die NS-Elite stellt der Film als Opfer dar - es ist ja schließlich auch ihr Untergang. Historisch - etwa für die geschichtliche Bildung des Publikums - hat der Film keinen Wert. Im Gegenteil: Er gaukelt vor, zu zeigen, wie es wirklich war, und untermauert ein teilweise mystifizierendes Hitler-Bild.

Schade: Dieses zu korrigieren, ohne Hitler bloß zu vermenschlichen, darin hätte die Chance einer solchen Produktion liegen können.

DAVID MOTADEL, FREIBURG

Wenn man das Weglassen der letzten Blutspritzer auf den Kadavern der Obernazis dem Film zum Vorwurf macht, was wirft man ihm eigentlich vor? Dass er am Ende die Nazis verklärt? Doch nicht ernsthaft. Dass Eichingers Film der Nazipropaganda vom Kampf bis zum Untergang nachträglich erliegt und sie so fortführt? Nun, das war nicht der Film, den ich gesehen habe.

DR. JUR. MARCUS DITTMANN, BERLIN

Danke, danke, danke, Herr Wenders, für Ihre so wichtigen Gedanken zum Kinofilm Der Untergang! Sie bringen mein Unbehagen über diesen Film auf den Punkt. Schade, dass die fast einhellig gute Kritik gerechtfertigte Bedenken platt gewalzt hat.