Für mehr als neunzehn Millionen Rentner wird es im kommenden Jahr voraussichtlich eine Nullrunde geben. Wenn die Wirtschaft nicht stärker wächst als erwartet, werden die Renten nicht steigen. Gleichzeitig müssen die Ruheständler höhere Abgaben für Krankengeld und Zahnersatz zahlen. Viele alte Menschen dürften also im Jahr 2005 weniger Geld zur Verfügung haben als im Jahr zuvor.

Die Nachricht von der Nullrunde hat für viel Unruhe gesorgt, obwohl sie nicht überraschend ist. Im deutschen Rentensystem steigen die Alterseinkünfte im Gleichschritt mit den Löhnen. Wenn viele Erwerbstätige für weniger Geld länger arbeiten müssen und oft auch noch auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichten, können auch die Renten nicht steigen.

So weit die Versicherungsmathematik.

Gleichwohl ist es zu wenig, einfach nur auf leere Kassen zu verweisen, wie es Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) in der vergangenen Woche getan hat.

Momentan befindet sich die Politik noch mitten in einem Lernprozess. Vor einigen Jahren, Ende der Neunziger etwa, galten die Alten generell als arm.

Gerhard Schröder machte noch im Jahre 1998 Wahlkampf mit dem Verweis auf seine Mutter und ihre Minirente. In den folgenden Jahren sprach sich herum, dass junge Familien öfter von Armut bedroht sind als alte Menschen. Ökonomen rechneten regelmäßig vor, dass Altersarmut in Deutschland kein großes Problem sei - und die alte Formel Alt gleich arm längst nicht mehr stimme. Ungefähr gleichzeitig entdeckten die Werber die wohlhabenden jungen Alten und erfanden für sie neben vielen neuen Kampagnen so schreckliche Namen wie Woopies (Well-Off Old People), Best Agers oder Kukidents. Doch es hielt sich die Vorstellung, man könne generell über die Gruppe der Rentner urteilen, über ihre Privilegien und ihre Nöte.

In Zukunft wird man lernen, stärker zwischen verschiedenen Gruppen von Alten zu unterscheiden. Noch sind wir gewohnt, die Jugend als Phase der Individualität zu verstehen. Die Alten hingegen betrachten wir oft als eher homogene Gruppe. Dabei sind gerade Jugendliche auf Konformität bedacht, oft wollen sie die gleiche Musik hören und die gleichen Hosen und Frisuren tragen wie ihre gleichaltrigen Freunde. Im Alter hingegen werden die Unterschiede größer, zumal inzwischen Angehörige verschiedener Generationen Renten beziehen. Die heute Neunzigjährigen wurden durch ganz andere Erlebnisse geprägt als die Generation nach ihnen, die zwischen sechzig und siebzig ist.