Der Träger ihres blausilbernen Seidenkleids ist leicht verdreht. Die Sängerin Lisa Bassenge trägt das Abendkleid mit einer Nachlässigkeit, die verhindert, dass sich Eleganz allzu ernst nimmt. Was auf dem Cover ihres ersten Albums Going Home von 2001 wie ein Zufall wirkte, ist jene Haltung, die sie vom Rest der singenden Frauen Deutschlands trennt, die oft unverstellt zeigen, was sie meinen.

Man könnte sich aus der 29-jährigen Berlinerin Lisa Bassenge einen Norah-Jones-Archetypus basteln, eines jener Wesen, die zwischen Jazz und Pop changieren, die sich aus den Plattenschränken ihrer alleinerziehenden Mütter den gepflegten Jazz-Geschmack und aus ihrer Pubertät die Popmelodien holen.

Eine jener Jazzsängerinnen, die plötzlich Marilyn-Monroe-Lieder und Country-Songs singen, weil sie mit der Vollbartträger-Jazzszene (Bassenge) nichts zu tun haben wollen.

Als ein Radiosender in Berlin Lisa Bassenge (sprich hugenottisch: Basseñsch) als Deutschlands begabteste Jazzsängerin ankündigte, wurde sie in den Clubs angepöbelt. Sie wolle doch nicht ernsthaft dieses Etikett beanspruchen, sie möge doch erst mal zeigen, wie sie über die Changes improvisieren könne. Die Jazzpolizei kommt, nennt sie das. Kein Wunder, dass sie diese muffelige Szene immer stärker meidet - es wiederholt sich, was alle ihre großen Vorläuferinnen und Vorbilder der vierziger und fünfziger Jahre erlebten. Dies sei doch keine Kunst, einen Song als Song zu singen, erklärte man Billie Holiday - improvisier doch mal darüber!

Ihr Handwerk hat Lisa Bassenge an einer Musikschule in Kreuzberg gelernt, dann an der Hanns-Eisler-Hochschule, Richtung Jazz und Popularmusik. Die frühen Versuche auf dem Saxofon und dem Klavier hatte sie zugunsten ihrer Stimme aufgegeben, den Jazz, der ihr auch ein cooles Mittel war, sich in ihrer Schulklasse abzugrenzen und der ihr half, sich aus dem Pubertätsloch rauszuholen, mischte sie schon bald mit jenen Madonna- und Tom-Waits-Songs, die den Puristen irritieren, doch die Seele erfreuen.

Zusammen mit dem Pianisten Andreas Schmidt, dem Spiritus Rector des Trio-Konzepts, und dem Bassisten Paul Kleber würfelt sie die hipness von Carl Perkins mit der Melancholie von Joni Mitchell zusammen, den Humor von Cole Porter mit dem Schmelz von Elvis. Und immer singt sie langsam, sehr langsam und mit viel Raum dazwischen, um den Tönen Luft zu lassen.