Donnerstag: Die Nachricht von Arafats lebensbedrohlichem Zusammenbruch kommt wie ein Schock. Aber irgendwie denkt niemand in Palästina, dass es diesmal tatsächlich ernst sein könnte. Zu oft schon hatte es Gerüchte über seinen schwachen Gesundheitszustand gegeben, an denen dann nichts dran war.

Das erklärt vielleicht, warum in Ramallah von Aufregung nichts zu spüren ist.

Ein ganz normaler Tag im Ramadan, dem muslimischen Fastenmonat.

Verkehrsstaus, Einkaufsgedränge und allerorts süße runde Kuchen. Sie isst man zum Iftar, dem festlichen Mahl nach dem Fasten. Überall läuft der Fernseher: Die Leute wollen wissen, wie es Arafat geht.

Bisher fließen dazu widersprüchliche Informationen. Arafat sei gar nicht bewusstlos gewesen, heißt es von offizieller Stelle. Er habe heute morgen gebetet und sich mit seinen Beratern unterhalten. Es sei falsch, dass er ein dreiköpfiges Notstandskommitee eingesetzt hätte, das in seiner Abwesenheit regiert. Um halb zwei tritt Arafats Schatten Nabil Abu Rudeineh vor die Mukata, Arafats Amtssitz: Sein Zustand ist stabil. Er braucht nur immer noch ein wenig Ruhe.

Was ihm fehlt, weiß keiner. Grippe, Virusinfektion, Parkinson, Krebs? In jedem Fall muss es schlimm um ihn stehen, denn seine Frau Suha hat sich erinnert, dass sie einen Ehemann hat und kommt extra aus Paris angereist. Zum ersten Mal seit drei Jahren. Sie und die Ärzte drängen darauf, Arafat in eine Spezialklinik ins Ausland zu bringen. Zunächst gegen seinen Willen. Er fürchtet, dass ihn die Israelis nicht mehr zurücklassen. Diese Sorge lässt sich mit einem Anruf bei Ariel Scharon aus dem Weg räumen. Der israelische Premier will nicht als Peiniger seines kranken Feindes dastehen.

Freitag: In der Nacht, eine richtige Sintflut, begleitet von Donnerschlägen.