Wer in den letzten Wochen versucht hat, den Wendungen im Unions-Streit um die Gesundheitsreform zu folgen, dem schlägt irgendwann die Stunde. Man mag nicht mehr. Man möchte, dass der quälende Prozess möglichst schnell sein absehbares Ende findet. Längst ist das Chaos zwischen den Schwestern ja skurril geworden. Vielleicht ist alles nur eine ziemlich aufwändige Inszenierung, deren Zweck uns noch nicht ganz aufgegangen ist. Man muss einfach die Perspektive wechseln, nicht vom Streit, sondern von seiner Lösung her denken.

Schon wirken die Ausflüchte und Bitterkeiten, die kleinen Fallen und der scharfe Spott, der zwischen CDU und CSU hin- und hergeht, wie Vorboten des lange ersehnten Konsenses.

Dass er auch jetzt noch einmal vertagt wurde, wegen einiger fehlender Berechnungen, ist wahrscheinlich die letzte Camouflage vor der unausweichlichen Einigung. Sie müssen, also werden sie - mit dieser Maxime lässt sich die Kluft überbrücken. Der Zwang zur Verständigung ist längst realer als neue Dissens-Spiele. Alles nur Schein. Selbst in diesem Chaos waltet die Vernunft. Oder?

Doch dann hört man wieder Friedrich Merz in Richtung CSU deklamieren, dass man beim Umstellen von Linksverkehr auf Rechtsverkehr ja auch nicht mit nur einer Hälfte der zugelassenen Autos beginnen könne. Soll heißen: ganz oder gar nicht. Soll heißen: unser Modell oder keines. Ein toller Vergleich, das mit dem Linksverkehr. Nur unterstellt er eben, dass alle den Wechsel wollen.

Aber liegt nicht da genau das Problem? Die Bayern haben sich so schön eingerichtet. Deshalb haben sie erst Merzens radikale Steuerreform kleingearbeitet. Jetzt wenden sie das, was davon übrig geblieben ist, gegen die Gesundheitsreformer. Alles zu teuer! Oder sind es nur die rigiden Begriffe, die in Bayern so stören: Erst die Pauschale, die nach Kopf ab klang, und nun Angela Merkels andauernde Forderung nach dem Systemwechsel.

Was sonst ginge der CSU so gegen alle politischen Instinkte? Systemwechsel - das klingt irgendwie nach anderer Republik. Dafür waren früher die Linksradikalen zuständig, erinnert man sich in München. Und versteht manches nicht mehr.

Sicher, der Zwang zur Einigung in der Union ist übermächtig. Wie die Umfragen abstürzen! Und wie uninteressant ein am Leben erhaltener Dissens, dessen Ende alle längst absehen, auf die Dauer wird. Aber warum kommt sie dann nicht endlich, die Einigung? Manchmal wirkt diese Inszenierung doch, als sei es gar keine mehr. Sie kommt einem dann vor wie der Beginn einer wirklichen Krise.