Köln kommt wieder in Fahrt: Das Original unter den internationalen Kunstmessen war zuletzt ganz schön in die Jahre gekommen, gezeichnet vom provinziellen Kleinkram hinter den Kulissen und nach außen getragenem Größenwahn. Die Konkurrenten hingegen in Basel, New York, Berlin, Miami Beach und neuerdings auch London gewannen an Bedeutung.

Der traurige Niedergang scheint nun gebremst. Die diesjährige Art Cologne mit 250 teilnehmenden Galerien ist der Beweis für eine neue Selbstbehauptung - mit rund 60 Millionen Euro Umsatz und rund 20 Prozent mehr Besuchern. 30 Millionen Euro Umsatz machte dagegen die Frieze Art Fair in London, 10 Millionen das ART Forum Berlin in diesem Herbst.

Die Vitalität der Kunststadt Köln ist zur Abwechslung einmal im besten Sinne gemeinsam erklüngelt worden. Das Museum Ludwig bot parallel die attraktive Edward-Hopper-Retrospektive. Eigenverantwortliche Initiativen wurden willkommen geheißen. Die rheinschau, veranstaltet vom Kölner Kommunikationsbüro Neumann+Luz in der ehemaligen Königlichen Eisenbahnverwaltung gegenüber der Messe, zeigte 40 art cologne projects.

International tätige Galerien wie Aurel Scheibler (Köln), Contempory Fine Arts (Berlin), Robert Miller (New York) oder Gregor Podnar (Ljubljana) präsentierten in dem weitläufigen Gebäude teils aufregende, teils aufwändig inszenierte Projekte mit Szeneflair, abendlichen Partys und überraschend guten Verkäufen. Und noch eine Ergänzung zur Messe gab es: Die art.fair im Palladium baute die Schwellenängste der Käufer mit Kunst unter 5000 Euro ab.

Die sprichwörtlich gepflegte Feindschaft mit Düsseldorf scheint inzwischen aufgehoben: Exkursionen führten zur Luc-Tuymans-Ausstellung in die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Weitere von der Messe organisierte Touren gingen zum wieder eröffneten Bahnhof Rolandseck und auf die Insel Hombroich zur gerade eingeweihten Langen Foundation. Am Abend nach der Eröffnung der Messe baten rund 60 Galerien zur Vernissage, insgesamt ein reiches, kaum zu bewältigendes Programm. Dass Köln sich so entschlossen wieder auf die Kunstmarkt-Landkarte einschreiben will, ist sicher das Verdienst des in Amerika geborenen, seit einem Jahr amtierenden Direktors Gérard Goodrow. Er arbeitete vorher für die amerikanischen Sammler Don und Mera Rubell und das Auktionshaus Christie's. Während eines Essens zu Ehren des diesjährigen Art-Cologne-Preisträgers, des Direktors der Tate Gallery London Nicholas Serota, bekam der bisher staatenlose Goodrow vom Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma eine Einbürgerungsurkunde überreicht. Goodrow kündigte an, dass er mit dem Aus- und Umzug der Messe aus den angestammten Rheinhallen 2005 weitere Veränderungen angehen wird.

Zusätzlich zu der üblichen zeitgenössischen Kunst waren dieses Jahr erstmals Exponate mit antiken Elementen zu sehen, beispielsweise bei den Galerien Orangerie-Reinz und Simonis. Michael Werner und Gordian Weber ließen Markus Lüpertz und Georg Baselitz mit antiken Statuen Zwiesprache halten. Der nervösen, kleinteiligen Bildsprache von Marc Tobey bei Hachmeister aus Münster stand die statische Gelassenheit in Form von Khmer-Statuen gegenüber.

Vergleichsweise wenig Anklang fand die Sneak Preview am Abend vor der Vernissage, auch wenn bei dieser Gelegenheit bereits 100 Werke verkauft wurden.