Ob er Deutschland noch betreten dürfe, wurde Andreas Schleicher kürzlich gefragt. Die scherzhafte Bemerkung hat einen ernsten Kern. Niemanden wünschen die in der Kultusministerkonferenz (KMK) versammelten deutschen Politiker so weit weg wie ihn. Doch Schleicher, geistiger Vater der Pisa-Studie und Bildungsforscher in Diensten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), kommt immer wieder. Das nächste Mal in fünf Wochen. Dann werden die neuesten Pisa-Ergebnisse veröffentlicht und damit neue Zeugnisse für die deutsche Bildungspolitik.

Schon jetzt treibt das Ereignis die Fieberkurve der Politiker nach oben.

Während andere Nationen die Leistungsdaten ihrer Schüler zusammen mit der OECD präsentieren, scheiterte die Idee einer gemeinsamen Pisa-Präsentation in Deutschland am Widerstand der KMK. Deshalb wird der Bildungstest in Deutschland nun wohl in drei Darbietungen inszeniert: Erst stellt die KMK die deutschen Ergebnisse vor. Kurz danach gibt's dasselbe noch mal von der OECD.

Und am Tagesende wird Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn ihre Sicht der Dinge darlegen.

Hinter dem Streit stecken weniger persönliche Eitelkeiten als der Zwist um die Deutungshoheit über die neuen Pisa-Daten. Anders als bei der ersten Runde vor drei Jahren wollen die Kultusminister diesmal der Öffentlichkeit ihre Melodie vorgeben. Und die klingt so: Wir reformieren, wo wir können, wir sind auf dem richtigen Weg! Falsche Töne, etwa Schleichers Zweifel am hoch selektiven Schulsystem, stören diesen Chor - erst recht, wenn sie aus dem Ausland kommen. Von einem Deutschen. Der nicht einmal promoviert hat.

Das Verhältnis zwischen den deutschen Kultusministern und der OECD ist gespannt, seit Deutschland sich nach jahrzehntelanger Abstinenz entschlossen hat, bei den internationalen Vergleichsstudien mitzumachen. Zwar möchten die Deutschen die Daten haben, die Interpretation derselben sollen die Statistiker aus Paris jedoch bitte den deutschen Bildungspolitikern überlassen. Eine solche Attitüde läuft bei einem wie Schleicher ins Leere.

Der sagt mit unterkühlter Sachlichkeit immer wieder seine Meinung.