Der kommende Winter wird teuer. Heizöl kostet bereits jetzt so viel wie selten zuvor. Anders als im Herbst üblich, sind die Tanks in den Kellern fast halb leer. Müssen sie mitten in der Heizsaison aufgefüllt werden, wird die Massennachfrage den Preis weiter hochtreiben - den für Heizöl, aber auch den an den Heizölpreis gekoppelten Preis für Erdgas.

Die warme Stube, bald ein Luxus?

Hauseigentümern und Mietern, prophezeit jedenfalls Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur (Dena), stehe ein großer Schock bevor. Viele werde er spätestens im Frühjahr ereilen, wenn die Heizkostenabrechnungen im Briefkasten landen.

Kurzfristig schützt vor der bösen Überraschung nur wenig: Frieren oder ein Pullover etwa. Auf längere Sicht aber glaubt Kohler, die Deutschen auch angenehmer vor explodierenden Heizkosten retten zu können: mit einem Etikett, das sämtliche Gebäude als Energieschleudern brandmarkt - oder als genügsame Behausungen auszeichnet. Käufern und Mietern von Wohnungen und Gebäuden verspricht Kohler mit diesem Energiepass eine schnelle Entscheidungshilfe.

Eigentümer und Vermieter lockt er mit Hinweis auf Wettbewerbsvorteile: Wer sein Haus energetisch saniere, könne höhere Kaltmieten oder Verkaufserlöse erzielen und sich am Markt profilieren.

Aber eben nur der. Weil indes längst nicht alle Hauseigentümer Topimmobilien anzubieten haben, tobt um den Energiepass ein Verteilungskampf. Auf der einen Seite Mieter- und Verbraucherschützer sowie die Hersteller energiesparender Gerätschaften und Werkstoffe - Fensterhersteller, Dämmstoffproduzenten, Heizungsfabrikanten, die sich von dem Instrument einen Auftragsschub erhoffen. Auf der anderen Seite die Verbände der Immobilienwirtschaft, die das geplante Etikett für untauglich halten, und zwar in jeder Hinsicht, wie sich der Eigentümerverband Haus und Grund vernehmen lässt. Es drohten Ausgaben in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro, ohne dass nur ein einziger Liter Heizöl eingespart werde, wehrt sich die Wohnungslobby gegen Kohlers Plan.

Bisher fand der Streit im Verborgenen statt. Nun wird daraus aber ein Politikum - aus zwei Gründen: Erstens können die Gegner nur noch auf Schadensbegrenzung hoffen. Eine EU-Richtlinie verpflichtet die deutsche Regierung, jedem Hauseigentümer, der eine Immobilie verkaufen oder neu vermieten will, demnächst einen Energieausweis abzuverlangen - Bauminister Manfred Stolpe bastelt bereits an den Paragrafen, mit denen die Brüsseler Vorschrift umgesetzt werden soll. Im Januar des Wahljahres 2006 läuft die Frist dafür ab.