Zweitens gehört Stephan Kohler, der eine von den Eigentümern besonders gescheute Version des Passes verficht, zum engsten Beraterzirkel der rot-grünen Regierungsspitze. Im Aufsichtsrat seiner Dena, die je zur Hälfte dem Bund und der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau gehört, sitzen drei Minister: Wolfgang Clement, Manfred Stolpe und Jürgen Trittin. Kohler selbst verfügt darüber hinaus über beste Beziehungen zu Frank Steinmeier, dem Chef des Kanzleramts.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und die Seinen stehen in puncto Energieeinsparung im Wort. Optimierte Dämmung und modernisierte Heizungen könnten in Gebäuden für eine drastische Verringerung des Energieverbrauchs sorgen, haben sie vor zwei Jahren in ihre Nationale Nachhaltigkeitsstrategie geschrieben. Doch obwohl der dazugehörige Fortschrittsbericht, auf den sich die Ministerrunde gerade verständigte, anderes glauben machen will, kommt die Gebäudesanierung nur schleppend voran. Zwar schreibt die Energieeinsparverordnung mittlerweile strengere Normen für neue Gebäude vor.

Doch 80 Prozent der mehr als 15 Millionen deutschen Wohngebäude sind vor Mitte der achtziger Jahre errichtet worden, bevor irgendwelche wirksamen Wärmeschutzvorschriften existierten. Sie schlucken nach wie vor immense Mengen Öl, Gas oder Fernwärme - die meisten deutlich mehr als notwendig, wie Achim Großmann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bauministerium, wissen ließ.

Dass die Altbausanierung lahmt, kommt nicht von ungefähr. Während Mieterschutzvorschriften die Hauseigentümer daran hindern, Modernisierungsinvestitionen in rentable Mehreinnahmen umzumünzen, waren die öffentlichen Förderprogramme bisher wenig attraktiv. Hinzu kommt, dass in Zeiten knappen Angebots die Mieter oder Wohnungskäufer kaum in der Lage waren, zwischen sparsamen und verschwenderischen Immobilien zu wählen - ganz zu schweigen davon, dass ihnen die Informationen dafür fehlten. Die Konsequenz: In den eigenen vier Wänden verbrauchen die Deutschen insgesamt mehr Brennstoff als in Fabriken oder im Straßenverkehr. Mehr als drei Viertel der Energie nutzen sie allein, um ihre Behausungen - samt Dusch- und Badewasser - zu erwärmen (siehe Grafik). Jährlich fast 23 Liter Heizöl pro Quadratmeter oder die entsprechende Menge Erdgas verfeuern sie dafür, im statistischen Mittel.

Tatsächlich schwankt der so genannte flächenspezifische Jahresverbrauch erheblich um diesen Durchschnittswert. Spitzenwerte von fast 50 Litern sind nach Erkenntnis des Forschungszentrums Jülich keine Seltenheit, während sparsame Heizer mit weniger als acht Litern auskommen. Ein Grund dafür sind unterschiedliche Heizgewohnheiten. Nach Feststellung des Wärmedienstleisters Techem begnügen sich manche Deutsche mit winterlichen Zimmertemperaturen von 16 Grad, während andere ihre Stube auf 27 Grad erhitzen. Jedes Grad Celsius erhöht den Energieverbrauch aber um rund sechs Prozent.

Selbst wer mit lausigen Temperaturen zufrieden ist, kann indes ein Großkonsument von Heizenergie sein - wenn er in einem schlecht wärmegedämmten Haus wohnt und im Keller eine Heizung Dienst tut, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Das Problem: Bisher wissen Kauf- oder Mietinteressenten nicht, ob sie mit einem 10-Liter- oder mit einem 30-Liter-Haus liebäugeln, mit einem Energieräuber oder einer Sparimmobilie.

Verkehrte Welt: Für den Spritdurst von Autos existieren Kennwerte, die jeder Kaufinteressent in Erfahrung bringen kann - an jedem Kühlschrank und an jeder Waschmaschine klebt ein Label, das die Geräte mittels Buchstaben als sparsam (A) auszeichnet oder als verschwenderisch (G) outet - im Prinzip (siehe Kasten). Doch ausgerechnet über den Bedarf von Gebäuden, den größten Energieschluckern der Republik, müssen die Anbieter bisher nicht verlässlich informieren. Dieses Manko zwingt Miet- oder Kaufwillige, sich ohne genaues Wissen um den Heizenergiebedarf für eine Immobilie zu entscheiden - während Vermietern und Verkäufern der Anreiz fehlt, den Wert ihrer Immobilie zu steigern, indem sie Wände dämmen, Dächer isolieren oder Heizungsanlagen erneuern.