Genau dies will Dena-Chef Kohler nun ändern - und zwar indem er den vom Nutzerverhalten unabhängigen Normverbrauch von Gebäuden durch geschultes Personal feststellen lässt. Dies setzt jedoch voraus, dass jedes Gebäude von Experten in Augenschein genommen wird. Die Kosten dafür beziffert Kohler auf 150 Euro pro Gebäude - viel zu viel, wie die Verbände der Wohnungswirtschaft klagen.

Sie stellen Kohlers bedarfsorientierten deshalb ihren verbrauchsorientierten Energiepass entgegen. Der Vorteil: Ihre schlichte Version kostet fast nichts, weil sie auf der Auswertung vorhandener Daten über den Energieverbrauch basiert. Der Nachteil: Sie lässt Mieter und Eigentümer im Unklaren darüber, in welchem Maß der Verbrauch auf Heizgewohnheiten oder auf den Gebäudezustand zurückzuführen ist. Nicht nur Dena-Chef Kohler lehnt den verbrauchsorientierten Pass deshalb ab - auch Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, hält davon nichts.

Begründung: Nur auf der Grundlage einer bauphysikalischen Bestandsaufnahme könnten Tipps für die Sanierung erteilt werden - und dies sei schließlich der Hauptzweck des Ausweises, den der Vorstoß der Wohnungswirtschaft nun zur Makulatur werden lassen könne.

Zwar gehören nicht alle Wohnungsunternehmen zu den vermeintlichen Bremsern.

Die Berliner Howoge beispielsweise, die in der Hauptstadt 3000 Gebäude ihr Eigen nennt, hauptsächlich sanierte Plattenbauten, hofft dank Kohlers Bedarfspass auf bessere Vermietung. Gleichwohl: Der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen, der Firmen mit 7 Millionen Wohnungen vertritt, buchstabiert Kohlers Vorhaben als Diskriminierung großer Teile des Wohnungsbestandes. Notfalls werde man sogar gerichtlich klären lassen, ob der Gesetzgeber Eigentümer zwingen dürfe, Geld für Dinge auszugeben, die nichts bringen, kündigt Siegfried Rehberg, der Technikexperte des Verbandes, an.

Tatsächlich leugnen auch seine Befürworter nicht, dass der Bedarfspass selbst keinen Liter Heizöl einspart - er könnte allerdings, vielleicht, die Eigentümer veranlassen, ihre Gebäude zu sanieren, weil ihnen sonst Miet- oder Kaufinteressenten abhanden kommen. Sicher ist dieser heilsame Effekt nicht, allerdings umso wahrscheinlicher, je größer das regionale Überangebot am Wohnungsmarkt ist. Nur: Reicht dafür nicht der billige Verbrauchspass, versehen mit der freundlichen Empfehlung, bei überdurchschnittlich hohen Verbräuchen einen Fachmann zwecks genauerer Gebäudeanalyse zu konsultieren, wie es der Bundesverband der Wohnungsunternehmen empfiehlt?

Vermutlich im Dezember will der Verband seinen Vorschlag präsentieren.