Sophie Dannenberg möchte einerseits ein Opfer sein. Sie tritt geradezu als eine 68er-Überlebende auf. Zugleich distanziert sie sich mit ihrer kalten Pose von allen Vermutungen persönlicher Betroffenheit. Doch in der Widersprüchlichkeit ihrer Vorwürfe zeigt sich ihre Fixierung auf die Generation, die sie auf den Müllhaufen der Geschichte befördern möchte: Man weiß am Ende nicht, was sie schlimmer findet – das Scheitern oder den Erfolg von 68, den Nihilismus oder die idealistische Hoffnung der damaligen Jugend.

Bei aller Ironie, bei aller demonstrativen analytischen Distanz wirkt Dannenberg merkwürdig unfrei. Wenn sie aufzählt, woran die übermächtigen Eltern schuld sind, packt einen als Generationsgenossen ein lähmendes Gefühl der Peinlichkeit: Verbietet die Selbstachtung nicht schon, sich in die mythische deutsche Generationengeschichte einzutragen, in der offenbar jede Kohorte sich darauf herausredet, von der vorhergegangenen verpfuscht worden zu sein? Man möchte doch wirklich nicht zu einer Generation gehören, die sich bis in die Midlife-Crisis immer nur im Gegenzug zu den Eltern zu definieren bereit ist. Jörg Lau