Was, denkt sich der erwachsene Mensch, gibt es Schöneres als ein kleines Häuschen, einsam am Meer, einen leeren Strand und, so weit das Auge blicken kann, keine einzige Pommesbude. Ein paradiesisches Leben: Vater, Mutter, Kind und die Stille den ganzen Tag, wenn Mutter mit dem Bus zur Arbeit gefahren ist und Vater leise mit der Zeitung raschelt. Zackarina sieht die Sache anders. Wenn das Meer gerade besonders sanft vor sich hin schaukelt und die kleinen Vögel gerade besonders fröhlich zwitschern, findet sie das Leben besonders langweilig.

Es ist ein merkwürdig kinderarmes Szenario, in das die nordschwedische Autorin Åsa Lind ihre kleine Heldin gestellt hat. Doch das hat durchaus seine Vorteile, denn wo nichts oder wenig ist (jedenfalls viel weniger als in den mit Spielzeugindustrie-Erzeugnissen voll gerümpelten Kinderzimmern), kann die Fantasie aufleben.

Zackarina in ihrer produktiven Kindernot hat jedenfalls eine Fata Morgana der poetischen Art. Sie entdeckt am Strand einen Sandwolf, der ihr so manches überraschende Pläsier bereitet. Und nicht nur das: Er weiß auch alles, "alles auf allen Welten und alle Antworten auf alle Fragen". Er weiß zum Beispiel, wo Zackarina war, als Zackarina noch nicht in Mamas Bauch war. Weil er aber kein plumper Schulfunk-Sandwolf ist, wird er ihr das nicht verraten. Wie dieser lebensweise Kerl überhaupt viel auf Eigeninitiative setzt. Ob Zackarina mit dem Fahrrad die Klippen runter ins Meer sausen kann, das muss sie schon selbst ausprobieren. Und auf die große beängstigende Frage, ob das verdammte Universum denn wirklich, wie Papa gesagt hat, nie ein Ende hat, weiß er eine wahrhaft goethische Antwort: "Es gibt ja eigentlich nichts, was zu Ende geht." Nicht mal ein Bonbon, denn auch der rutscht in den Magen und verwandelt sich in etwas anderes. Der Sandwolf spielt mit Engelbabys, wenn die Engel da oben gerade keine Zeit dazu haben, und er beherrscht die Sprache der Zitronenfalter. Ja, so einen Sandwolf könnte man selbst auch gut gebrauchen.

Ein wunderbares (zu karikaturhaft illustriertes) Buch, das seine kleinen Leser leicht in die größten Nachdenklichkeiten verwickelt.