Dichtende Fremdenführer rückt die Lyrik-Anthologie Sehnsucht nach dem Anderswo ins Licht. Claire Goll lockt ans zärtliche Mittelmeer, Kurt Tucholsky befiehlt Luftveränderung, und Hans Leip sagt Muschemusch, wenn er von großen Dampfern schwärmt. Mit den deutschen Romantikern, denen die bürgerliche Enge auf die Seele schlug, beginnt die Fahrt ins Blaue zu den Luftschlössern der Inspiration. Und endet dort, wo Hans Magnus Enzensberger nach dem Höhenrausch eine Bauchlandung hinlegt und Mario Wirz auf den letzten Atemzug springen will. Hundert Gedichte über Abenteuerlust und die Melancholie des Abschieds von A(rp, Hans) bis Z(ornack, Annemarie) haben die Herausgeber zusammengetragen: sanftes Beruhigungsmittel gegen steigendes Reisefieber und heiter-besinnliche Ferieneinstimmung zugleich. Dass nämlich stets die Selbstbesinnung auf die Urlaubsfluchten folgt, wusste schon Tucholsky: Wie du auch die Welt durchflitzt / ohne Rast und Ruh -: / hinten auf dem Puffer sitzt / du. CS

Hans Stempel/Martin Ripkens (Hrsg.): Sehnsucht nach dem Anderswo.

Reisegedichte - Arche Verlag, Zürich/Hamburg 2004 - 144 S., 17,- e