Es gibt Tonträger, um dieses ungelenke Wort zu benutzen, die so ansprechend gestaltet sind, dass man sie besitzen möchte. Öfter trifft dies auf LPs denn auf CDs zu. Die Plattenhülle ist sinnlicher und plakativer als ein fummeliges Jewel-Case, das gleich einen Knacks bekommt, wenn es einmal runterfällt.

Ästhetisch hat die CD nie konkurrieren können. Die Brennerei hat sie zusätzlich entwertet, und nun wird ihr Ansehen weiter ramponiert, indem die Musikindustrie Neuerscheinungen in schmucklosen Dumpingpreisversionen herausbringt. Sie signalisieren den Anfang vom Ende der CD - lange war sie teuer, jetzt ist sie billig, schön war sie nie.

Demgegenüber erlebt die Schallplatte ein Comeback. Da gibt es kleine und kleinste Label, die Freude nicht nur an besonderer Musik haben, sondern auch an ebensolcher Präsentation. Sie veröffentlichen Alben in beiden Formaten, wobei ihre Liebe unverkennbar dem Vinyl gilt. So ist es auch im Falle des Münchner Duos Dos Hermanos, dessen Erstlingswerk Goldfischen vor einiger Zeit bei www.gutfeeling.de erschien: Das falbbraune Cover ist aus solider, fast etwas grober Pappe, die Schrift scheint mit Kartoffeldruck aufgebracht, und zwei gezeichnete Hermänner, die an abgerissene Zirkusartisten oder entlaufene Sträflinge erinnern, reiten einen ziemlich einfältig dreinschauenden Fisch zu. Man könnte das zu Hause in den Flur hängen, und für gute Laune wäre gesorgt.

Auf der Rückseite führt eine sepiafarbene Schwarzweißfotografie in das Wohnzimmer der Musiker ein. Vor Sofa, Streifentapete und Stehlampe stehen Gitarren, Trommeln und allerlei tönendes Gerät. Zu sehen ist niemand, die zwei sind wohl mal kurz raus, um Bier zu holen oder was zu rauchen.

Das Äußere vermittelt einen treffenden Eindruck von dem, was dem schwarzen Kunststoff eingeprägt ist. Sechzehn raue Balladen, gesungen teilweise durch Megafone, handkoloriert mit Banjo, Harfe und Mundharmonika, angesiedelt zwischen Rock 'n' Roll, Country und bayerischer Lebensart. Die Texte sind meist englisch, und wenn sie (hoch)deutsch sind, erinnert ihr Duktus sogar auch an Ton, Steine, Scherben. Also eine reiche, unerwartete Ernte auf einem weiten, durchaus zur Öde neigenden Feld.

Übrigens verrät das Plattencover über die beiden Hermänner nur, dass sie Hermano José und Hermano G. Rag heißen - damit ist immerhin ein kleiner Hinweis gegeben auf das elfköpfige bajuwarische Country-&-Latin-Ensemble G.

Rag Y Los Hermanos Patchekos, dessen Platten noch runder und wunderbarer sind.