Die Wissenslücken, die Herr Dräger - jedenfalls wie in diesem Interview ersichtlich - in Bezug auf die Geisteswissenschaften aufweist, empfinde ich als bestürzend.

Der Hamburger Senator für Wissenschaft und Forschung müsste wissen, dass sich Forschungsqualität in geisteswissenschaftlichen Fächern nicht nach der Summe der dafür verbrauchten Drittmittel bemessen lässt (zum Denken braucht man keine teuren Apparate). Er müsste wissen, dass zur Kultur vieler geisteswissenschaftlicher Fächer wissenschaftlich anspruchsvolle Studienabschlüsse gehören, sodass die Promotion der Forschung im engeren Sinne vorbehalten bleiben darf. Das wird sich nach der Einführung der geplanten neudeutschen BA/MA-Abschlüsse vielleicht ändern. Einstweilen sollte der Erfolg eines Studienganges nicht an der Zahl der produzierten Dissertationen gemessen werden - sie könnte leicht durch Senkung der Anforderungen erhöht werden.

Eine durchdachte und mit möglichem tenure track versehene Juniorprofessur kann, sofern deren Inhaber(in) nicht durch zu viel Lehrdeputat erdrückt wird, sehr sinnvoll sein. Sie sollte aber nicht für andere die Möglichkeit zur berufsbegleitenden Habilitation grundsätzlich verbauen - auch im Interesse der exzellenten Frauen, die lebensphasenbedingt die Universität verlassen haben.

In den Geisteswissenschaften ist vieles möglich, was Herr Dräger sich offenbar nicht vorstellen kann. Warum blockiert er jahrelang vakante Stellen?

Warum arbeitet er rastlos daran, die Motivation der Studierenden und Lehrenden der Geisteswissenschaften in Hamburg zu zerstören? Richtig viel Geld lässt sich damit bekanntlich nicht sparen - es wird nur der Geist der Universität erstickt. Wozu das alles?

Der Senator will Studiengänge schließen und denkt sich stattdessen andere aus. Soll ein Minister entscheiden, was studiert werden darf? Soll seine autokratische Planwirtschaft der Weg zur Exzellenz sein? Mir scheinen Studienfreiheit, lebendige Geisteswissenschaft und Hochschulautonomie wichtiger.

PROF. DR. INA WILLI-PLEIN, HAMBURG