Um die Mitte des 14. Jahrhunderts vor Christus wagt Pharao Amenophis IV.

das Unvorstellbare. Er wendet sich von der alten Götterordnung ab und erhebt Aton, den Herrn der Sonnenscheibe, zum alleinigen Gott Ägyptens. Im gesamten Land lässt er die Tempel der anderen Götter schließen. Sogar seinen eigenen Namen ändert er zu Echnaton: der dem Aton nützlich ist.

Nur wenige Jahre nach dem Tod des Umwälzers macht der Kindkönig Tutanchamun die Reformen rückgängig und stellt die alte Ordnung wieder her. Doch seine Nachfahren danken es ihm nicht. Sie bestatten den Pharao in einem viel zu kleinen Grab. Tutanchamuns Name wird von den Listen getilgt - und vergessen.

Bis 1922 der britische Archäologe Howard Carter im Tal der Könige auf den Eingang zur Grabkammer stößt.

Die Ausstellung Tutanchamun - Das goldene Jenseits in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle erzählt anhand von Grabbeigaben die Geschichte dieser bewegten Epoche Ägyptens. Sie wird am 4. November eröffnet - auf den Tag genau 82 Jahre nach der Öffnung der Tutanchamun-Kammer. Sechs Monate lang, bis zum 1. Mai, haben die Besucher Gelegenheit, den Pharaonen in die Gräber zu schauen.

Der Rundgang beginnt bereits in der frühen Mitte der 18. Dynastie bei Amenophis II. und Thutmosis IV. Von deren Beigaben ließen die Grabräuber nicht viel übrig. Die ausdrucksstarken Tier- und Götterfiguren aus Holz, die die Grabräuber verschmähten, lassen erahnen, welch ein Reichtum den Pharaonen mit ins Jenseits gegeben worden war.

Von einer Liebesgeschichte erzählen die Stücke aus der Zeit des Amenophis III. Der ehelichte entgegen aller Tradition Teje, eine Bürgerliche, und schwelgte mit ihr in orientalischem Prunk. Sogar die Schwiegereltern seiner Angebeteten versah er mit höchsten Ehren. Sie erhielten eine Bestattung im Tal der Könige. Ihr unversehrt erhaltenes Grab galt bis zur Entdeckung von Tutanchamun als der bedeutendste Fund der Pharaonen-Nekropole. Sein Nachfolger Amenophis IV., der spätere Echnaton, ist unter anderem durch den eindrucksvollen Kopf seiner Kolossalstatue aus dem Tempel des Aton in Karnak vertreten. Seine Frau Nofretete kann der Besucher gleich in zwei Porträts bewundern.