London

Katerstimmung bei der Labour Party. Abgeordnete und fast alle Minister Tony Blairs hatten auf John Kerry gehofft. Der Premier allerdings wird auch diesem Wahlausgang etwas abgewinnen können. Bei Bush weiß Blair immerhin, woran er ist, im Guten wie im Schlechten. Er ist dem Texaner, obwohl dessen Fehler ihn gelegentlich verzweifeln ließen, in der gemeinsamen Entscheidung zum Irak-Krieg loyal verbunden. Der Wahlsieg des Kriegspartners scheint nun die These zu widerlegen, dass zornige westliche Wähler die Irak-Krieger einen nach dem anderen zum Teufel schicken wegen deren Legendenbildung um Saddams Massenvernichtungswaffen und angesichts des aktuellen Desasters im Irak. Dies ist an Bushs Sieg besonders tröstlich für Blair.

London erhofft von der zweiten Bush-Regierung aber auch eine weniger ruppige, überlegtere Gangart. Mehr Powell, weniger Rumsfeld. Vor allem den Verzicht auf die verhängnisvolle Megafondiplomatie, die das transatlantische Verhältnis vergiftete.

"Bush hat aus den Fehlern gelernt", heißt es daher voll Hoffnung in der Umgebung des Premiers. Der Präsident habe erkannt, dass eine Supermacht besser fährt, wenn ihre Aktionen internationale Legitimität besitzen. Und man zitiert die Lehren der Vergangenheit: Im Amt bestätigt, seien Amerikas Präsidenten meistens in die Mitte gerückt.

Innenpolitisch ist George W. Bush für Tony Blair allerdings ein Risiko. Denn der US-Präsident bleibt eine Reizfigur, trotz des ihm von Blair unterstellten "Lernprozesses". Und damit wird er fortan dem Premier das Leben schwer machen, im Umgang mit Partei und den Wählern.