Paris

Im internationalen Vergleich sind die Franzosen die größten Gegner der Bush-Regierung. Doch jetzt müssen drei Viertel der Bevölkerung, die lieber John Kerry gewählt hätten, weiter mit dem unbeliebten US-Präsidenten leben. Von offenem Anti-Amerikanismus kann allerdings in einem Land, in dem ebenfalls drei Viertel der Bürger eine positive Grundeinstellung gegenüber den USA äußerten, kaum die Rede sein.

Eher ist es erstaunlich, wie ungerührt die Franzosen auf Anfeindungen, Diplomatenkrieg und Produktboykott in den Vereinigten Staaten bislang reagierten. Allen voran hatte Präsident Chirac seinen Ministern unter Strafe verboten, sich abfällig über die Amerikaner zu äußern. Doch provokanter als alle Verbalinjurien dürfte es die Bush-Regierung empfunden haben, dass Chirac seine massiven diplomatischen Störmanöver gegen den Irak-Krieg mit der gebetsmühlenhaften Beteuerung vorbrachte, Frankreich sei der beste Freund und Verbündete der USA.

Im Elysée-Palast heißt es nun, Chirac kenne Bush sehr gut, man sei die Zusammenarbeit mit ihm gewohnt und habe mehr Übereinstimmungen, als viele glaubten. Zu John Kerry dagegen, den der Präsident nie getroffen habe, hätte man erst neue Beziehungen aufbauen müssen.

Der Politologe Dominique Moisi vom Pariser Auslandsinstitut Ifri glaubt denn auch, dass es in Teilen der französischen Regierung einen geheimen Wunsch nach der Wiederwahl Bushs gab. Denn nun könne Paris leichter seine Weigerung beibehalten, Soldaten in den Irak zu senden. Gegenüber einem Präsidenten Kerry wäre das schwieriger geworden.